Er besann sich. Der Kopf war ihm so seltsam wüst. »Von Feen, gut, von alten, uralten – ein Kind kann sich’s nicht vorstellen, wie alt sie sind.«

»Aber Du, Herr Rittmeister, kannst Dir’s vorstellen, Du kannst Alles, Herr Rittmeister,« sprach Georg aus tiefster Überzeugung.

»Glaub’ doch das nicht, ich kann nur erzählen von uralten Feen,« versetzte Brand in einschläferndem Tone. »Sie haben graue Kleider an, mit Schleppen und schweben hin und her. Denk’ Dir wie das Pendel an einer großen Uhr – ein langes, langweiliges Pendel, so schweben die grauen Feen hin und her.«

»Es kommen aber auch rothe, und die tanzen.«

Richtig! Brand sah richtig rothe Feen tanzen,

wie Funken unter Bäumen mit klingenden Blättern, und im Hintergrunde zogen Landschaften vorbei von wundersamer Schönheit, und ein Licht lag über ihnen, milder als Sonnen-, anders als Mondlicht, ein Licht, wie es auf Erden keines giebt und von dem sich einen Begriff nur machen kann, wer es geschaut hat, denn schauen muß man’s, nicht sehen ... Er unterbrach sich. Was er da Alles zusammen redete ...

»Sag’ nur weiter,« bat Georg, »ich weiß, was das heißt. – Ich sehe Dich und schaue die Feen.« –

Dietrich war unglücklich; statt das Kind sanft einzulullen, regte er es zum Denken an. Voll Zärtlichkeit und Reue strich er ihm über den Scheitel: »Weißt Du was? Denk’ nicht, schlafe. Lieber Junge, wenn Du einschlafen könntest, das wäre so gescheit und so gut!«

Georg seufzte tief auf, preßte die Wange an das Kissen, schloß die Augen und regte sich nicht mehr. Sophie schlief sanft und fest. Es war so still, daß Dietrich das Ticken seiner Taschenuhr hörte, die er auf den Tisch gelegt hatte neben das

Nachtlämpchen und die Arzneiflasche. Merkwürdig hell drang der leise, gleichmäßige Schall durch ein seltsames Brausen in seinem Kopfe hindurch.