Sie staunte, daß er so flehentlich bat. Er fürchtete, ihren Stolz zu verletzen, und sie hatte dem Wohlthäter ihres Kindes gegenüber keinen mehr.
»Aber Herr Rittmeister,« sagte sie, »wie können Sie noch daran zweifeln, daß ich Ihr Geschenk freudig annehme? Ich nehme ja so viel von Ihnen an, das Opfer Ihrer Zeit, Ihres ...«
Er unterbrach sie: »Opfer? – Sie betrüben mich. Wissen Sie denn nicht, daß, was Sie mein Opfer nennen, mein Glück ist? Vor Kurzem noch war ich ein ganz armer Teufel, ein alter, vergrämter Mann, der nichts mehr vor sich sah als eine
Reihe eintönig, einförmig hinreichender Jahre; jetzt bin ich reich ...« Er suchte ein allzu warmes Wort zu vermeiden: »Durch meine Theilnahme für Sie, und meine Liebe zu Ihren Kindern.«
Sophiens Augen hatten sich ein wenig verschleiert, aber sie sprach in munterem Tone: »Und zu Dietrich Peters.«
»Gott segne den Kleinen, die erste Aufrichtung verdankte ich ihm. Aber er hat ein robustes Elternpaar ... es ist doch etwas Anderes, etwas ...« Seine Stimme gerieth in Gefahr, umzukippen, alle moralischen Rippenstöße, die er sich zur Stärkung versetzte, blieben wirkungslos. Der Grimm, den er darüber empfand, spiegelte sich in seinem Gesichte wider und gab ihm ein so bärbeißiges Aussehen, daß Sophie, die schon einen Schritt auf ihn zu gemacht hatte, sich ganz erschrocken abwendete, und die Hand, die sie ihm hatte reichen wollen, liebkosend auf das Haupt ihres Kindes legte.
Als es Abend wurde, sprach sie nicht wie sonst: »Herr Rittmeister, Sie müssen heim.« Sie saß in dem bequemen Lehnstuhl, ihre Füße ruhten auf einem Schemel, ihr Kopf sank in die Kissen zurück.
»Die Mutter schläft,« flüsterte Georg, »lassen wir sie schlafen, und Du erzähl’ mir eine schöne Geschichte.«
»Eine schöne Geschichte. Ja, mein Junge, was für eine denn?«
»Etwas von Feen, das habe ich am liebsten.« Das Kind richtete seine fieberglänzenden Augen voll Erwartung auf ihn.