»Aber,« meinte sie, »man kann noch etwas
mehr als korrekt, man kann barmherzig, man kann sein – wie Sie. Was thun Sie für uns! Nie vermag ich Ihnen zu danken ...«
Er blickte sie vorwurfsvoll an: »Danken! Sie werden doch mir nicht danken ... Wenn Sie wüßten, wie mir vor aller Dankbarkeit graut ...«
»Seitdem Sie aus Dankbarkeit den Major von Müller geheirathet haben,« hätte er hinzufügen müssen, wenn Sophie den Grund seines Abscheus gegen eine so schöne Tugend hätte erfahren wollen. Aber sie fragte nicht, und er schwieg.
Sehr bald darauf erfüllte sie ihm den sehnlichen Wunsch, den auszusprechen er nicht gewagt hatte: sie nahm Urlaub.
»Ich bringe Alles wieder ein, was ich jetzt versäume,« sagte sie, »ich werde doppelt fleißig sein, sobald Georg nur wieder hergestellt ist.«
An der Überzeugung, daß er genesen werde, hielten Brand und sie unerschütterlich fest, diese Hoffnung ließen sie sich nicht rauben.
Zwei Nächte hatte Sophie aufrecht, auf einem hölzernen Sessel sitzend, neben dem Bette des Kranken gewacht. Am nächsten Abend stand auf
einmal ein großer, bequemer Fauteuil da. Peter Peters hatte ihn gebracht mit tausend dringenden Entschuldigungen seines Herrn, und an das Fußende von Georgs Lager gestellt. Und dann war Brand gekommen mit neuen und noch dringenderen Entschuldigungen.
»Lassen Sie das Ding nicht hinauswerfen, haben Sie die einzige Gnade; es ist ein Reconvalescenten-Fauteuil, dulden Sie ihn hier eine Zeitlang wenigstens, dem Kinde zu Liebe.«