»Alter Narr! Wie kann ich spuken, wenn ich doch nie weg gewesen bin vom Sonnenlicht?«
Meine Stimme schien ihn etwas zu beruhigen, aber ganz beruhigt war er noch nicht.
»Mach' mir keinen Unsinn vor, Huck, gewiß und wahrhaftig, ich thät's auch nicht an deiner Stelle. Also, Hand aufs Herz, du bist wirklich nicht dein Geist?«
»Hand aufs Herz, der bin ich nicht!«
»Na, ich – ich – ich sollte dir jetzt freilich glauben, aber siehst du, ich – ich kann's nicht begreifen. Bist du denn damals überhaupt gar nicht ermordet worden?«
»Nee, das ist mir Gott sei Dank noch nie passiert! Tom, Dummerjan, merkst du's denn nicht? Ich hab' ja nur so gethan, um den Alten und alle los zu werden. Na, glaubst du's noch nicht? Steig' mal rüber zu mir und visitier' mich, da wirst du schon fühlen, daß ich Fleisch und Knochen habe!«
Das that er denn und gab sich danach zufrieden. Er schien furchtbar froh zu sein, daß er mich wieder sah, und wußte gar nicht, wie er es mir genug zeigen konnte. Dann wollte er genau den ganzen Hergang wissen. Es war ein geheimnisvolles Abenteuer, so recht nach seinem Geschmack. Ich aber vertröstete ihn auf später, nahm ihn erst einige Schritte weit beiseite, daß uns sein Kutscher nicht hören konnte, erzählte ihm von der Klemme, in der ich mich befand, und bat ihn, sich zu überlegen, wie wir uns heraushelfen könnten. Er sagte, ich solle mal ein bißchen still sein und ihn nachdenken lassen; er dachte und dachte und dann meinte er:
»Jetzt hab' ich's! Ich hab's! So muß es gehen! Du nimmst meinen Koffer auf deinen Wagen und sagst, es sei deiner, und dann fährst du recht langsam zurück, so daß du nicht früher ankommst, als sie dich erwarten können. Ich fahr' wieder ein Stück zurück und komm' dann erst wieder, so etwa eine halbe Stunde nach dir, und das weitere wirst du schon sehen, du brauchst zuerst gar nicht zu thun, als ob du mich kenntest.«
Sag' ich:
»Ganz recht! aber wart' einmal, da ist noch etwas zu bedenken – etwas, das kein Mensch weiß, außer mir. Da ist nämlich noch ein Nigger gefangen dort bei deinen Verwandten, den ich gerne befreien möchte – es ist Jim, Miß Watsons Jim, weißt du!«