»Was? Jim ist ja –«

Er hält ein und sinnt nach, ich aber sage schnell:

»Ich weiß, was du denkst, Tom! Du denkst, das sei ein recht gemeiner, elender Plan, und das ist's auch! Aber was liegt mir dran? Ich bin auch gemein und elend und ich will ihn frei machen und ihm helfen und du darfst mich nicht verraten, gelt, das versprichst du mir, Tom!«

Seine Augen blitzten auf:

»Ich – dich verraten? Helfen will ich dir!«

Mir fielen die Arme am Leib nieder, als hätte ich einen Schuß bekommen. Das war das Erstaunlichste, was ich je in meinem Leben gehört hatte, und, so leid es mir thut, ich muß sagen, Tom Sawyer sank dadurch ziemlich in meiner Achtung. Ich traute meinen Ohren kaum – Tom Sawyer, der Sohn ehrbarer Leute, ein Nigger-Dieb! Das war mehr als ich fassen konnte!

»Unsinn,« ruf' ich, »du willst mir was weiß machen!«

»Nein, ganz im vollen Ernst, Huck, ich mach' dir nichts vor!«

»Na, gut,« sag' ich, »vormachen oder nicht vormachen, auf jeden Fall vergiß nicht, wenn du dort von einem durchgebrannten Nigger hören solltest, daß wir beide, weder du noch ich, etwas davon wissen!«

Das war denn abgemacht und nun nahmen wir den Koffer und stellten ihn in meinen Wagen. Er fuhr seinen, ich meinen Weg, und so oft ich mich umdrehte, sah ich Toms verwundertes, noch halb und halb ungläubiges Gesicht mir nachstarren. Natürlich vergaß ich darüber ganz, daß ich langsam fahren sollte, um nicht zu früh wieder einzutreffen, fuhr in Gedanken immer drauf los und kam selbstverständlich etwa in der Hälfte der Zeit zurück, die ich für die Länge des Weges hätte brauchen müssen. Der alte Mann stand am Thor und rief mir entgegen: