Sie sah furchtbar ungeduldig aus, kam aber doch her – jedes hätte da angebissen!
»Ja, wahrhaftig, so ist's, so wahr ich lebe – es sind nur neun!« sagt sie. »Wie in aller Welt – da schlag' doch gleich was drein, wart', ich will's noch einmal zählen!«
Jetzt leg' ich den aus meinem Aermel dazu, und wie sie mit dem Zählen fertig ist, sagt sie:
»Das ist ja rein wie verhext – jetzt sind's wieder zehn!« Und sie sieht ganz ungeduldig und ärgerlich aus. Meint Tom:
»Aber Tantchen, ich glaub' doch nicht, daß es zehn sind!«
»Was, du Dickkopf, hab' ich's denn nicht grad' gezählt?«
»Ich weiß, aber –«
»Wart', ich zähl' sie noch einmal, daß du endlich zufrieden bist!«
Ich also wieder einen weggenommen und so waren's neun wie zuerst. Na, jetzt wurde sie aber wild – und wie wild! Sie zitterte am ganzen Körper und konnte sich kaum helfen. Aber sie zählte und zählte, bis sie so verwirrt war, daß sie den Korb als Löffel ansah und mitzählte, und dreimal waren's zehn und dreimal nur neun – sie war ganz toll! Dann nahm sie den Korb, schleuderte ihn an die Wand, versetzte der Katze einen Tritt, daß die in die Luft flog, und schrie, wir sollten uns packen und sie in Ruhe lassen, und wenn wir uns noch einmal vor Tisch blicken ließen, wolle sie uns die Haut bei lebendigem Leibe abziehen. Wir aber hatten unsern Löffel wieder und Jim erhielt ihn zusammen mit dem alten Nagel noch vor Mittag. Soweit waren wir ganz zufrieden und Tom meinte, der Spaß sei wohl der Mühe wert gewesen, denn nun könne sie die Löffel in ihrem ganzen Leben nie wieder richtig zählen und wisse sicher nie mehr, ob sie zehn oder nur neun habe, und zähle sie einmal recht, so meine sie, es wäre falsch, und umgekehrt, und wenn sie das Manöver nur drei Tage hintereinander fortsetze, so würde sie am vierten sicherlich jedem den Kopf abreißen, der sie dran erinnere und nicht neun – zehn, oder zehn – neun sein lasse.
Am Abend hingen wir dann das Betttuch wieder auf die Leine und stahlen eins aus dem Schranke und machten so weiter mit nehmen und wieder hinlegen während einiger Tage, bis sie auch nicht mehr wußte, wieviele Tücher sie habe, und sagte, es läge ihr auch gar nichts dran, sie wolle sich nicht zu Tod ärgern, nun zähle sie auch gar nicht mehr, um keinen Preis, lieber wolle sie gleich auf der Stelle sterben.