»Gut, ich bin bereit, aber ich könnt's gerad' so gut in meinen eignen Kleidern thun!«
»Würdest du dann vielleicht wie ein Dienstmädchen aussehen, Huck Finn, he?«
»Nein! Aber 's ist ja auch keiner da, der mich sieht, dann ist's doch gleich, ob ich so oder so aussehe.«
»Das hat gar nichts damit zu thun, Huck, gar nichts. Für uns handelt sich's nur darum, unsere Schuldigkeit zu thun, ob's einer sieht oder nicht. Hast du denn gar keine Moral in dir?«
»Schon gut, schon gut, ich sag' ja nichts weiter. Also, ich bin das Dienstmädchen – wer ist Jims Mutter?«
»Die will ich sein. Ich leih' mir eins von Tante Sallys Kleidern – das soll 'ne flotte Mutter werden!«
»Aber, dann mußt du ja in der Hütte bleiben, wenn Jim und ich durchgehen!«
»Lang' aber nicht, das sag' ich dir. Ich stopfe Jims Kleider mit Stroh aus und leg' die Puppe aufs Bett, die mag dann die Mutter vorstellen, und Jim zieht Tante Sallys Kleider von mir an und wir ›entweichen‹ alle zusammen. Wenn nämlich irgend ein Gefangener von Rang und Stand durchbrennt, ein König zum Beispiel, so nennt man es eine ›Entweichung‹.«
Tom schrieb also den ›onnaniemen‹ Brief und ich krippste das Kleid von dem kleinen gelben Küchenmädel in der folgenden Nacht, warf's über und schob den Brief unter die Thüre, ganz wie mich's Tom geheißen hatte.