»Armer Tropf! Du hast so unrecht nicht. Ja, siehst du, du thust uns leid, aber die Blattern – weißt du, das ist so eine Sache! Ich will dir mal sagen, wie du's anfängst. Das Landen mußt du nicht probieren, das bringst du allein nicht fertig, ohne daß alles zu Schanden geht. Treib' also nur ruhig weiter, noch so ein paar Stunden, bis du nach einer Stadt kommst am linken Ufer. Bis dorthin ist dann die Sonne schon lang herauf, und wenn du Hilfe holst, sagst du, deine Leute hätten das Fieber. Sei nicht wieder solch ein Narr und laß dir's anmerken, was eigentlich los ist. Es würde dir auch gar nichts helfen, da drüben bei dem Licht anzulegen, das ist nur ein Zimmerplatz. Sag' einmal, gelt, dein Vater ist recht arm und jetzt recht schlimm dran? Da – ich leg' dir ein Zwanzig-Dollarstück auf dies Brett, das fängst du dann auf, wenn's an dir vorbeitreibt. Mir kommt's scheußlich vor, daß wir dich so stecken lassen, armer Kerl, aber die Blattern, siehst du, das ist keine Kleinigkeit!«

»Wart' mal, Parker,« ruft der andre, »da sind auch zwanzig Dollars von mir. Leg's dazu aufs Brett. Na, leb' wohl, Junge, mach's nur, wie der Parker dir's gesagt hat, dann wird schon alles recht werden!«

»Das denk' ich auch, mein Junge, na, leb' wohl, leb' wohl! Wenn du was von den Niggern siehst, mach', daß du Hilfe kriegst und faß sie ab, da ist Geld dabei zu verdienen, viel Geld!«

»Schönen Dank, ihr Herrn, schönen Dank! Wenn ich die Nigger kriegen kann soll's mir lieb sein, wollt', 's wär' so, könnt's brauchen und der Vater auch!«

Fort waren sie und ich ruderte zum Floß zurück, fühlte mich elend und erbärmlich, wußte wohl, wie unrecht ich gethan, aber bei mir lohnt's sich schon nicht mehr der Mühe, probieren zu wollen, anders und besser zu werden. Das muß man von Kind auf gewöhnt sein, sonst ist man nicht fest genug drin, denn wenn man einmal in der Klemme sitzt, so ist man nicht stark genug sich herauszuziehen, sondern bleibt allemal drin hängen. Ich hatte eben wieder einmal nicht den Mut gehabt, das Rechte zu thun, wie andre ehrliche, brave Menschen! Dann, denk' ich aber wieder, wenn du nun recht gehandelt hättest und den alten Jim verraten, wär' dir dann wohl jetzt besser zu Mut? Nein, sag' ich, nein, dann wär's gerade so schlimm. Und, denk' ich, wozu besser werden und recht thun, wenn man davon nur Mühe hat, vom Unrechtthun aber keine, und der Lohn derselbe ist? Da saß ich fest! Eine Antwort konnte ich mir hierauf nicht geben. Wollt' mich auch nicht weiter damit plagen, sondern beschloß, in Zukunft immer das zu thun, was mir gerade am besten paßte – Recht oder Unrecht, einerlei!

Ich ging in die Hütte, Jim war nicht drin, ich stöberte jeden Winkel durch, er war nirgends. Ruf' ich:

»Jim!«

»Hier sein Jim, Huck! Sein Männer ganz weg? Du nix reden laut!«

Er war im Wasser unter dem Steuerruder und guckte nur mit der Nase hervor. Als ich ihm sagte, sie seien schon weit weg, kroch er heraus und kam an Bord. Sagt er: