Wie der dritte Steuermann mir in Honolulu erzählte, erinnerten die Matrosen sich in jenen Tagen voll bitteren Aergers, daß der Portugiese 22 Rationen gefressen hatte, als er auf dem Schiffsdeck lag; nun verwünschten sie ihn und thaten einen Schwur, wenn es zu Kannibalismus käme, so solle er zuerst für die anderen leiden. Samuel Ferguson bemerkt vom Kapitän: »Er ist ein guter Mann und hat sich sehr freundlich gegen uns benommen – beinahe wie ein Vater. Er erzählte: wenn ihm das Kommando des Schiffes etwas früher angeboten wäre, so hätte er seine beiden Töchter mit an Bord genommen.« Man schaudert, wenn man daran denkt, mit wie knapper Not die Mädchen dem Schiffbruch entgingen!

An diesem letzten Mai vermerkt der Kapitän in seinem Logbuch:

Die beiden Mahlzeiten täglich bestehen jetzt aus folgendem: 14 Rosinen und ein Stück Zwieback von der Größe eines Pennys zum Abendessen; ein Becher Wasser, ein Stück Schinken und ein Stück Brot, beide von der Größe eines Pennys, zum Frühstück.

Hierzu ist zu bemerken, daß die Angabe ›von der Größe eines Pennys‹ sich nicht nur auf den Umfang sondern auch auf die Dicke bezieht. Der Schinken wurde nach Samuel Fergusons Tagebuch so dünn geschnitten, wie es nur mit einem ganz scharfen Messer möglich war.

1. Juni. Diese Nacht und heute ist das Wetter sehr böig und es ist kein Zweifel, daß nur des Kapitäns Bedachtsamkeit – nächst Gottes fürsorglichem Schutz – uns während dieser 24 Stunden vor dem Untergang bewahrt hat. Es ist über alle Begriffe wunderbar, wie jeder Bissen, der über unsere Lippen kommt, uns gesegnet ist. Ich muß täglich an das Wunder mit den Fischen und Broten denken. Henry benimmt sich prachtvoll; dies ist ein großer Trost für mich. Wie es kommt, weiß ich selbst nicht, aber ich hege große Zuversicht und hoffe, daß unsere Trauerzeit bald enden wird, obwohl wir die befahrene Schiffsstraße nur kreuzen und sehr bald weit davon weg sein werden. Unsere Haupthoffnungen setzen wir auf einen Walfischfänger oder ein Kriegsschiff, oder auf irgend einen Australier. Die Inseln, auf die wir steuern, sind im ›Bowditch‹ angegeben, aber nach meiner Karte soll es zweifelhaft sein, ob sie an der betreffenden Stelle wirklich vorhanden sind. Gebe Gott, daß sie da seien!

Zweifelhaft! Es war schlimmer: eine Woche später segelten sie über die Inseln weg!

Aus dem Logbuch des Kapitäns:

2. Juni. Nur noch zwei kümmerliche Tagesvorräte; zehn Rationen Wasser für den Mann und ein Häppchen Brot. Aber die Sonne scheint und Gott ist barmherzig.

Aus Samuel Fergusons Tagebuch:

Sonntag, 3. Juni. Unser Zustand wird allmählich fürchterlich. Ich ging, oder kroch vielmehr, heute morgen nach dem vorderen Ende des Bootes und war überrascht, wie außerordentlich schwach ich war, besonders in den Knieen und überhaupt in den Beinen. Die Sonne hat wieder geschienen, ich habe einige von meinen Sachen trocknen können und hoffe auf eine bessere Nacht.