»Auch nicht.«
»Nun, was braucht es dann weiter? In meinem Leben habe ich noch keine Leute getroffen, die bei einer so einfachen Sache sich so seltsam anstellten wie ihr.« –
Nun, wenn dieser Mensch kein Lügner war, so fehlte jedenfalls nicht viel dazu. Dieses Vorkommnis erinnert mich an einen Zwischenfall während meines kurzen Aufenthalts in Siam, einige Jahre nachher. Unter den Europäern einer Stadt bei Bangkok befand sich ein merkwürdiges Exemplar Namens Eckert, ein Holländer, der wegen seiner vielen sinnreichen und verblüffend großartigen Lügen weit berühmt war. Unaufhörlich wurden seine berühmtesten Stückchen wiederholt, und stets versuchte man, in Gegenwart von Fremden etwas aus ihm herauszuziehen, allein selten mit Erfolg. Zweimal war er in dem Hause, wo ich zu Besuch war, eingeladen, aber nichts vermochte, ihm eine hervorragende Probe seiner Lügenkunst zu entlocken. Eines Tages nun lud mich ein Pflanzer Namens Bascom, ein Mann von Ansehen, stolz und manchmal aufbrausend, ein, mit ihm zu Eckert hinüberzureiten und bei diesem vorzusprechen. Während wir so dahin schlenderten, meinte er:
»Nun, wissen Sie, woran der Fehler liegt? – Daran, daß man Eckert stutzig macht. Sobald die Jungens ihn auszupumpen suchen, merkt er ganz genau, was sie vorhaben, und macht nun natürlich seine Schale zu. Das könnte sich eigentlich jeder selbst sagen. Aber wenn wir hinkommen, müssen wir ihn schlauer anpacken. Man muß ihn die Unterhaltung ganz nach seinem Gefallen wählen lassen – er mag sie fallen lassen oder wechseln, wie es ihm paßt. Er soll sehen, daß kein Mensch ihn auszupumpen sucht. Er soll ganz thun, wie er will. Dann wird es nicht lange anstehen, so vergißt er sich und die Lügen fallen nur so herunter wie das Mehl in der Mühle. Verlieren Sie nur die Geduld nicht – seien Sie ganz still und lassen Sie mich nur machen. Ich will ihn schon zum Lügen bringen. Ich meine, die Jungens müssen blind sein, um solch einen auf der Hand liegenden einfachen Kniff zu übersehen.«
Eckert nahm uns herzlich auf – ein Mann von liebenswürdigem, gebildetem Wesen. Wir saßen eine ganze Stunde auf der Veranda, schlürften englisches Ale und unterhielten uns über den König, den heiligen weißen Elefanten, das schlafende Götzenbild und alles mögliche; dabei bemerkte ich, daß mein Begleiter nie die Unterhaltung leitete oder beeinflußte, sondern einfach sich Eckerts Leitung überließ und niemals Unruhe oder Befangenheit bei irgend etwas zeigte. Der Erfolg ließ sich bald bemerken. Eckert fing an, mitteilsam zu werden, er fühlte sich immer gemütlicher und wurde immer gesprächiger und geselliger. Noch eine Stunde verfloß in derselben Weise, als Eckert ganz plötzlich äußerte:
»Ach, apropos! Beinahe hätte ich es vergessen. Ich habe etwas, das Sie in Erstaunen setzen wird. Etwas, wie es weder von Ihnen, noch von sonst irgend jemand erhört worden ist – ich habe eine Katze, die Kokosnüsse frißt! – gewöhnliche, frische Kokosnüsse – und die nicht bloß das Fleisch frißt, sondern auch die Milch trinkt. Es ist so – ich leiste einen Eid darauf.«
Ein rascher Blick von Bascom, – ein Blick, den ich verstand – dann sagte er:
»Nun, Gott verzeih' mir, so was habe ich noch nie gehört. Mensch, das kann nicht sein.«
»Ich wußte, daß Sie das sagen würden. Ich will die Katze holen.«