Eine dunkelhäutige, schwarzäugige und schwarzhaarige junge Dame war die nächste, machte eine ausdrucksvolle Pause, nahm eine tragische Pose ein und begann in gehaltenem Ton zu lesen.

Eine Vision

„Dunkel und stürmisch war die Nacht. Am ganzen Himmelszelt glänzte nicht ein einziger Stern, aber der dumpfe, tiefe Ton des rollenden Donners zitterte beständig im Ohr, während schreckliche Blitze in unheimlichen Windungen durch die dunklen Himmelsräume fuhren; und sie schienen die Gewalt zu verspotten, die sich der berühmte Franklin über sie angemaßt hat! Auch die ungestümen Winde fuhren unaufhörlich aus ihrer geheimnisvollen Heimat daher und fuhren herum, als wären sie gerufen worden, um die schreckliche Szene noch schrecklicher zu machen. In solchem Augenblick, so dunkel, so traurig, sehnte sich mein Geist, ach, so sehr nach menschlicher Sympathie; und

„Da plötzlich, ein Wunder, sie neben mir stand,
Die Freundin im Kummer, mit tröstender Hand!“

Sie schwebte gleich einer jener Lichtgestalten, die in ihrem Sonnenflug die romantische Phantasie der Jugend malt, daher, eine Königin der Schönheit, nur mit ihrer eigenen überirdischen Lieblichkeit bekleidet. So leicht war ihr Tritt, er schien kein Geräusch hervorzubringen, und ich empfand ihre Gegenwart nur durch den magischen Schauer, der mich bei ihrer Berührung durchrieselte — sonst wäre sie gleich anderen körperlichen Schönheiten unbemerkt, ungesehen entschwebt. Strenge Trauer lag auf ihren Zügen, gleich eisigen Tränen auf dem Gewande des Dezember, als sie auf die kämpfenden Elemente draußen wies und mich aufforderte, die zwei Wesen zu betrachten.“

Zehn Seiten Manuskript waren mit diesem nächtlichen Geisterspuk bedeckt, und sie schlossen mit einem so sehr alle Hoffnungen für jeden Nichtkirchlichgesinnten vernichtenden Sermon, daß die Arbeit den ersten Preis erhielt.

Der Aufsatz wurde für die ausgezeichnetste Arbeit des Abends erklärt. Der Bürgermeister hielt, indem er der Siegerin den Preis überreichte, eine warme Ansprache, worin er sagte, es wäre weitaus „das beredsamste Ding, das er je gehört habe, und Daniel Webster selbst könnte sehr wohl darauf stolz sein.“

Beiläufig möge bemerkt werden, daß die Zahl der Arbeiten, in denen das Wort „wundervoll“ überwog, und menschliche Erfahrung „eine Seite des Lebens“ genannt wurde, die übliche Höhe erreichte.

Nunmehr schob der Lehrer, allmählich bis an die Grenze der Möglichkeit angeheitert, seinen Stuhl beiseite, zeigte dem Publikum seinen Rücken und machte sich dran, eine Karte von Amerika an die Wandtafel zu malen, um die Geographieklasse vorzunehmen. Es wollte ihm aber bei seiner unsicheren Hand nicht gelingen, und ein unterdrücktes Kichern lief durch den Saal. Er wußte, was die Uhr geschlagen hatte, und nahm sich tüchtig zusammen. Er wischte die Linien aus und zog sie nochmals. Aber er machte es diesmal noch schlechter als vorher, und das Kichern wurde lauter. Er nahm sich jetzt innerlich an den Ohren, wandte seine ganze Aufmerksamkeit auf die Arbeit, als gelte es, sich nicht von der allgemeinen Heiterkeit unterkriegen zu lassen. Er fühlte, daß aller Augen an ihm hingen. Er bildete sich ein, daß es ihm diesmal gelänge, und jetzt nahm das Kichern noch mehr, es nahm ganz zweifellos zu. Und es war kein Wunder.

Es gab da eine Dachstube, die gerade über seinem Kopf durch eine Falltür verschlossen war. Durch diese Falltür erschien eine Katze, an einem um ihren Leib gelegten Strick gehalten. Ein Tuch war ihr über den Kopf gebunden, damit sie nicht schreien sollte. Indem sie langsam heruntergelassen wurde, wand sie sich aufwärts und griff nach dem Seil, wand sie sich nach unten und griff in die leere Luft. Das Kichern wurde stärker und stärker, die Katze war keine sechs Zoll mehr vom Kopf des geistesabwesenden Lehrers entfernt; tiefer, tiefer, noch ein bißchen, und sie schlug ihre Krallen in verzweifelter Wut in die Perücke, und wurde im nächsten Moment mit ihrer Trophäe in die Dachstube zurückgezogen. Und welcher Glanz von des Lehrers kahlem Schädel ausging, den der Anstreicherlehrling goldig gefärbt hatte!