Das hob die Versammlung auf. Die Jungen waren gerächt — die Ferien da!

(Anmerkung. Die oben angeführten anspruchsvollen „Aufsätze“ sind ohne jede Änderung einem Buche entnommen, betitelt „Prosa und Poesie, von einer Dame des Westens“, sind aber genau nach der Schulmädelmanier gemacht und daher viel glücklichere Beispiele, als irgendwelche Nachbildungen hätten sein können.)

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Tom schloß sich dem neuen Orden der „Kadetten der Enthaltsamkeit“ an, angezogen durch die glänzende Pracht ihrer „Uniform“. Er versprach, sich des Rauchens, Tabakkauens und Fluchens, so lange er Mitglied des Vereins sein würde, zu enthalten. Dabei machte er eine Entdeckung, nämlich, daß das Versprechen, etwas nicht zu tun, das sicherste Mittel von der Welt sei, einen in Versuchung zu bringen, hinzugehen und es gerade zu tun. Tom empfand sehr bald das glühende Verlangen, zu trinken und zu fluchen; der Wunsch wurde bald so stark, daß nichts als die Aussicht, mit seiner roten Schärpe prunken zu können, imstande gewesen wäre, ihn von dem Wiederaustritt aus dem Orden abzuhalten. Der vierte Juli [Anmerkung: Der 4. Juli 1776 ist der Tag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten.] stand nahe bevor. Bald aber gab er es auf — gab es auf, ehe er seine Fesseln volle 48 Stunden getragen hatte, um seine Aufmerksamkeit dem alten Richter Frazer, dem Friedensrichter, zuzuwenden, der augenscheinlich auf dem Totenbett lag und gewiß ein großartiges öffentliches Begräbnis bekommen würde, da er doch ein so hoher Beamter war. Während dreier Tage war Tom ganz von des Richters Befinden eingenommen und hungrig nach Neuigkeiten darüber. Manchmal stieg seine Hoffnung so hoch, daß er drauf und dran war, seine Uniform hervorzuholen und vor dem Spiegel darin Probe zu halten. Aber der Richter hatte eine abscheuliche Art, sich zu besinnen. Schließlich wurde er besser und schließlich Rekonvaleszent. Tom war sehr verstimmt und fühlte sich obendrein beleidigt. Schließlich „resignierte“ er und in der nächsten Nacht bekam der Richter einen Rückfall und starb. Tom nahm sich vor, in solchen Dingen keinem Menschen mehr zu trauen. Das Begräbnis war großartig. Die Kadetten paradierten auf eine Art, die geeignet war, das bisherige Mitglied vor Neid umkommen zu lassen.

Indessen war Tom wieder ein freier Bursch. Das war das Gute dran. Er konnte trinken und fluchen, fand aber zu seiner Überraschung, daß er gar keine Lust dazu hatte. Die bloße Tatsache, daß er‘s durfte, nahm ihm den Wunsch dazu und machte die Sache reizlos.

Tom machte plötzlich die überraschende Bemerkung, daß die ersehnten Ferien anfingen, ihn zu langweilen. Er begann ein Tagebuch, aber da sich innerhalb dreier Tage nichts ereignete, so gab er‘s wieder auf.

Dann kam die erste schwarze Sängergesellschaft ins Dorf und erregte Aufsehen. Tom und Joe Harper traten in Verbindung mit der Bande und waren für zwei Tage glücklich.

Selbst der berühmte Vierte war in gewissem Sinne eine Enttäuschung, denn es regnete stark; infolgedessen fand kein Umzug statt, und der größte Mann der Welt (wie Tom glaubte), Mr. Benton, ein Senator der Vereinigten Staaten, bereitete ihm eine niederschmetternde Enttäuschung, denn er war nicht 25 Fuß hoch, auch nicht einmal annähernd.

Ein Zirkus kam. Die Jungen spielten drei Tage Zirkus in Zelten, die aus zerlumpten Teppichen bestanden, — Entree: drei Penny für Jungen, zwei für Mädchen — und dann wurde das Zirkusspielen langweilig.

Ein Phrenologe und ein Taschenspieler kamen — und gingen wieder und ließen das Dorf langweiliger und öder zurück, als es vorher gewesen war.