„Na ja, dann glaub‘ ich‘s, daß wir all die Arbeit umsonst gemacht haben. Jetzt hol‘s der Teufel alles, müssen halt zur Nachtzeit wiederkommen. ‘s ist ‘n verteufelt weiter Weg. Kannst du fortkommen?“

„Werd‘s schon machen. Diese Nacht woll‘n wir‘s also machen, denn wenn jemand diese Gruben da sieht, weiß er doch gleich, was da los ist und gräbt‘s selbst aus.“

„‘s ist gut, ich werd‘ nachts kommen und miauen.“

„Recht — aber jetzt wollen wir noch das Werkzeug in den Büschen verstecken.“

Nachts, zur verabredeten Stunde waren die Jungen wieder da. Wartend saßen sie im Schatten. Es war ein einsamer Platz und eine durch lange Tradition unheimlich gewordene Stunde. Geister wisperten im raschelnden Laub. Geister spukten in allen Ecken, das klagende Heulen eines Hundes tönte aus einiger Entfernung herüber, eine Eule antwortete mit Grabesstimme. Die Jungen fühlten sich von ihrer unheimlichen Umgebung bedrückt und sprachen nur mit leiser Stimme. Schließlich nahmen sie an, es möchte zwölf Uhr sein; sie bezeichneten die Stelle, wohin der Schatten fiel und begannen zu graben. Ihre Hoffnung wuchs; das Interesse wurde lebhafter, und ihr Fleiß hielt gleichen Schritt. Das Loch wurde tiefer und tiefer, aber so oft ihre Herzen zu klopfen begannen, wenn ein scharfer Ton von unten hervordrang, erfuhren sie eine neue Enttäuschung. Jedesmal war‘s nur ein Stein oder Holzstrunk. Schließlich sagte Tom: „‘s ist nicht richtig. Huck, wir haben‘s wieder verfehlt!“

„Unsinn, wir können ‘s nicht verfehlt haben. Wir haben doch den Schatten zu genau getroffen.“

„Ja, ich weiß, aber vielleicht ist sonst was schuld.“

„Was denn?“

„Wir haben die Zeit bloß abgeschätzt. Leicht genug war‘s später oder früher.“

Huck ließ die Schaufel sinken. „Das ist‘s.“ sagte er. „Das ist‘s, was uns gestört hat. Wir müssen‘s aufgeben. Wir können doch nicht immer die rechte Zeit abpassen, und dann, das Ding hier ist zu unheimlich, hier diese Nachtzeit mit Geistern und Gespenstern, die um einen rumfliegen. Ich bild‘ mir immer ein, ‘s ist wer hinter mir, und hab‘ doch Angst, mich umzusehn, denn ‘s könnten auch welche vor mir sein und nur auf ‘ne Gelegenheit warten. So lang‘ ich hier bin, läuft‘s mir kalt über.“