„Sid, wer hat‘s verraten?“

„Na — wer weiß? Irgend jemand hat‘s gesagt, das ist doch genug.“

„Sid, ‘s gibt im ganzen Dorf nur einen, der gemein genug ist, so was zu tun, das bist du! Wärst du an Hucks Stelle gewesen, du hättest dich schleunigst davongemacht und niemand von den Räubern gesagt. Du kannst nichts tun, was nicht gemein ist, und kannst‘s nicht vertragen, wenn andere für was Gutes gelobt werden. Da — keinen Dank — wie die Witwe sagt!“ Und Tom packte Sid an den Ohren und half ihm unter Püffen aus der Tür. „Jetzt geh, sag‘s Tante Polly und morgen rechnen wir dann ab!“

Wenige Minuten danach saßen die Gäste an einer langen Speisetafel; nach guter, alter Sitte waren die Kinder — ein Dutzend — an einem kleinen Seitentischchen zusammengesteckt. Zur rechten Zeit hielt Mr. Jones seine Ansprache, worin er der Witwe für ihre Dankbarkeit dankte, und sagte dann, es gäbe einen anderen, dessen Bescheidenheit —

Und so weiter und so weiter. Da alles die Geschichte kannte, so war die Überraschung etwas mäßig, nur die Witwe selbst machte verzweifelte Anstrengungen, zu tun, als wisse sie noch von nichts. Sie bewies Huck ihre Dankbarkeit auf so stürmische und zärtliche Manier, daß ihm sein jetziger Zustand noch weit entsetzlicher erschien als der Zwang der neuen Kleider und des gesitteten Benehmens.

Die Witwe erklärte, Huck unter ihrem Dach aufnehmen und ihm eine sorgfältige Erziehung geben zu wollen; und wenn sie so viel Geld zurücklegen könne, wolle sie ihm später ein anständiges Geschäft übergeben.

Toms Zeit war gekommen. „Huck braucht‘s gar nicht — Huck ist reich,“ sagte er.

Nur die gute Lebensart der Gesellschaft konnte bei diesem vermeintlichen Witz ein allgemeines Gelächter hintanhalten. Aber das Schweigen war doch ein wenig drückend.

Tom brach es. „Huck hat Geld! Wenn Sie‘s nicht glauben — Huck kann‘s beweisen. O, Sie brauchen nicht zu lächeln, denk‘, ich kann‘s beweisen. Warten Sie nur ‘ne Minute.“

Tom rannte hinaus. Die Gesellschaft schaute sich überrascht an und drang in Huck, der stumm zu sein schien.