Dieser berühmte, jetzt verstorbene Komiker und Humorist bereiste damals, als ich in Virginia City Redakteur war, die Städte im fernen Westen, um Vorlesungen zu halten, und kam bei dieser Gelegenheit auch in die genannte Stadt. Ich hatte ihn noch nie gesehen. Er brachte mir Empfehlungsbriefe von gemeinsamen Freunden in San Francisco und lud mich ein, mit ihm zu frühstücken. Im Bereich der Silberminen galt es fast als eine heilige Pflicht, vor solcher Mahlzeit einen Whisky-Cocktail zu trinken. Mit echt kosmopolitischer Gesinnung pflegte sich Artemus stets nach den Sitten des Landes zu richten, in welchem er sich gerade befand; so bestellte er denn auch jetzt drei von den abscheulichen Schnäpsen, Hingston, sein Reisebegleiter, war auch zugegen. Ich sagte, ich wolle lieber keinen Whisky trinken, er würde mir zu sehr zu Kopfe steigen und mich in zehn Minuten so verdreht machen, daß ich keinen klaren Gedanken mehr fassen könne. Mich vor Fremden wie ein Verrückter zu gebärden, sei nicht nach meinem Sinn. Auf Artemus Wards freundliches Zureden trank ich aber dennoch das tückische Gebräu, obgleich mit Widerstreben und in dem Bewußtsein, daß ich etwas thue, was mich alsbald reuen würde.

In kürzester Frist kam es mir vor, als umnebelten sich meine Sinne. Ich wartete daher mit großer Angst auf den Beginn der Unterhaltung und hoffte im stillen, daß sich meine Befürchtung als unbegründet erweisen und ich doch noch bei Verstande sein würde.

Artemus ließ zuerst einige unbedeutende Bemerkungen fallen, nahm dann eine ganz übermenschlich ernste Miene an und hielt folgende erstaunliche Rede:

»Noch etwas möchte ich Sie zuvörderst fragen, ehe ich es vergesse. Sie sind nun schon zwei oder drei Jahre hier in Nevada, im Silberland, und Ihre Stellung bei der Tagespresse hat es natürlich mit sich gebracht, daß Sie in die Bergwerke eingefahren sind, um sich über alle Einzelheiten zu unterrichten; der ganze Silberbergbau wird Ihnen daher genau bekannt sein. Was ich nun gerne wissen möchte, ist – wie die Erzlager eigentlich beschaffen sind. Ich fasse es zum Beispiel so auf – die Ader, welche das Silber enthält, liegt zwischen zwei Granitschichten eingeschlossen, wie das Fleisch in einer belegten Buttersemmel; sie läuft im Erdboden weiter, erstreckt sich aufwärts und ragt in die Höhe wie ein Meilenstein. Nehmen wir nun an, die Ader hätte eine Mächtigkeit – sagen wir – von vierzig Fuß oder achtzig oder auch meinetwegen hundert – und Sie führten einen Schacht senkrecht darauf hinab, oder gingen mit Hilfe eines Stollens, wie man’s nennt, hinunter bis zu einer Tiefe von fünfhundert Fuß oder auch nur zweihundert Fuß, wenn Sie wollen, aber jedenfalls tief hinab – nun wird die Ader immer schmaler, wo die sie einschließenden Granitschichten dichter beisammen sind oder sich einander nähern, wenn man’s so ausdrücken will – das heißt, wenn sie wirklich näher zusammenrücken, was natürlich nicht immer der Fall ist, besonders nicht an Stellen, wo sie der ganzen Natur der Formation nach weiter auseinander gehen als anderwärts, wofür die Geologie bisher vergebens eine Erklärung gesucht hat, obwohl in dieser Wissenschaft alles auf den Beweis hinausläuft, daß bei gleichen Verhältnissen es so sein würde, wenn es nicht wäre, und gewiß nicht so sein würde, wenn es wäre – und dann sind sie es natürlich. Ist das nicht auch Ihre Meinung?«

Ich dachte bei mir selbst:

»Also richtig – ich wußte ja, daß es so kommen würde. Der Whisky hat mich ganz benebelt und keine Auster ist jetzt so schwer von Begriffen wie ich.«

Dann sagte ich laut:

»Ich – ich – vielleicht – wenn es Ihnen nicht zu viel Mühe macht – hätten Sie wohl die Güte – das noch einmal zu sagen. Ich sollte freilich –«

»O gewiß, mit Vergnügen. Sie sehen, ich bin mit dem Gegenstande gar nicht vertraut und drücke mich daher viel zu undeutlich aus, – aber ich –«

»Nein, nein, – o nein – Sie haben die Sache völlig klar auseinandergesetzt, aber, wissen Sie, der Whisky macht mich etwas verwirrt. Ich verstehe Sie ja im übrigen ganz gut, wenn Sie mir aber die Sache noch einmal vortragen wollten, würde es mir am Ende doch begreiflich werden – diesmal will ich besser acht geben.«