In einer Bergschlucht in unmittelbarer Nähe von Virginia City wohnte ein armer Mexikaner, auf dessen Anwesen eine Quelle am Felsen herabsickerte, die kaum eine halbe Spanne breit war. Für dieses Wässerchen gab ihm die Ophirgesellschaft eine kleine Parzelle von hundert Fuß, welche sich als der ergiebigste Teil des ganzen Bergwerks erwies; vier Jahre nach dem Tausch betrug ihr Marktwert mit Einschluß des Pochwerks 1,500,000 Dollars.

Ein neunzehnjähriger Telegraphist in Virginia wurde dadurch zum reichen Manne, daß er die Depeschen der Grubenbesitzer las, welche ihm durch die Hände gingen und je nach dem Stande der Bergwerksangelegenheiten, durch Vermittlung eines Freundes in San Francisco, Aktien kaufte oder verkaufte. Einmal kündigte eine Privatdepesche aus Virginia einen reichen Fund in einer bedeutenden Grube an, mit der Weisung, die Sache solange geheim zu halten, bis die Unternehmer sich den Besitz von möglichst vielen Anteilscheinen gesichert hätten. Der Telegraphist kaufte sofort einen Kux von 40 Fuß zu 20 Dollars den Fuß, wovon er später die Hälfte zu 800 Dollars den Fuß verkaufte und den Rest um das Doppelte. Nach drei Monaten besaß er ein Vermögen von 150,000 Dollars und hatte seine Telegraphenstelle aufgegeben.

Ein anderer Telegraphenbeamter hatte Amtsgeheimnisse verraten und war deshalb von seinen Vorgesetzten entlassen worden. Er versprach einem wohlhabenden Manne in San Francisco, ihm das Ergebnis eines großen Bergwerksprozesses, der in Virginia geführt wurde, mitzuteilen und zwar nur eine Stunde später als die streitenden Parteien in San Francisco davon privatim Kenntnis erhielten. Hiefür sicherte ihm sein Mitverschworener einen hohen Prozentsatz des Gewinns, welchen er durch rechtzeitigen An- und Verkauf von Aktien zu erzielen dachte. Um den Plan auszuführen, begab sich der verabschiedete Telegraphist, als Fuhrmann verkleidet, nach einer kleinen abgelegenen Telegraphenstation im Gebirge, machte mit dem dortigen Beamten Bekanntschaft, saß Tag für Tag, seine Pfeife rauchend bei ihm im Bureau und klagte, daß sein Gespann zu ermüdet sei und er nicht weiterfahren könne. Zugleich horchte er bei allen Depeschen aus Virginia auf das Ticken des Apparats, bis endlich ein Privattelegramm die Entscheidung des Prozesses verkündete. Sofort telegraphierte er an seinen Verbündeten:

»Kann nicht mehr warten. Werde das Gespann verkaufen und heimgehen.«

Dies war das verabredete Zeichen. Hätte er das Wort ›warten‹ fortgelassen, so würde es den entgegengesetzten Ausgang des Prozesses bedeutet haben. Der Spekulant in San Francisco kaufte nun eine Menge der betreffenden Bergwerksaktien um niedern Preis, bevor die Nachricht öffentlich bekannt wurde und sicherte sich ein Vermögen.

Zahllose Beispiele ähnlicher Art wären noch aus dem Silberlande zu verzeichnen, die angeführten werden jedoch genügen, um dem Leser einen Begriff von den Zuständen in jener flotten Zeit zu geben. Mit den meisten dieser Nabobs bin ich persönlich in Berührung gekommen; sie waren damals hochberühmt, aber jetzt spricht niemand mehr von ihnen, da fast alle wieder rasch in Armut und Dunkelheit zurückgesunken sind.

In Nevada erzählte man sich ein lustiges Abenteuer, das zwei solche Nabobs einmal gehabt haben sollen; ich kann mich für die Wahrheit nicht verbürgen, und gebe es nur wieder, wie ich es gehört habe:

Oberst Jim hatte früher etwas von der Welt gesehen und kannte ihr Thun und Treiben ein wenig, aber Oberst Jack stammte aus den Hinterwäldern, sein Leben war eitel Mühe und Arbeit gewesen und er war nie in eine Stadt gekommen. Urplötzlich reich geworden, beschlossen die beiden nach New York zu reisen; Oberst Jack, um die Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, und Oberst Jim, um des Freundes arglose Unschuld vor Schaden zu bewahren. Sie kamen bei Nacht nach San Francisco und segelten früh am Morgen ab. Als sie New York erreichten, sagte Oberst Jack: