»Endlich ist er aber doch so abgearbeitet, daß er kaum noch die Flügel regen kann. In Schweiß gebadet kommt er herbeigeflogen, läßt die Eichel hineinfallen und sagt: ›Nun wirst du, denke ich, wohl genug haben, du altes Loch.‹

»Er steckte den Kopf hinein, und wie er wieder aufsieht, ist er ordentlich blaß vor Wut, – Sie können mir’s glauben, lieber Herr! – ›Ausstopfen sollen sie mich und ins Museum stellen,‹ schreit er, ›wenn ich auch nur eine Spur von den Eicheln entdecken kann, eine ganze Familie könnte sich dreißig Jahre davon satt essen, so viel hab’ ich hineingetragen!‹

»Mühsam schleppt er sich auf den Dachfirst, lehnt sich an den Schornstein, überdenkt die Sache und macht dann seinem Herzen Luft. Na, das hätten Sie hören sollen! So was von Schimpfen und Schelten ist mir mein Lebtag nicht vorgekommen!

»Während er im besten Zuge ist, kommt ein anderer Häher vorbeigeflogen, hält an und fragt, was es denn giebt. Sein armer Freund trägt ihm die ganze Sache vor und sagt: ›Wenn du mir’s nicht glauben willst, so geh’ und sieh’ selbst nach, – da drüben ist das Loch!‹

»Das thut der zweite Häher, und wie er alles genau betrachtet hat, kommt er zurück und fragt: ›Wie viele hast du denn eigentlich hineingeworfen?‹ – ›Wenigstens zwei Säcke voll,‹ versetzt jener.

»Der Häher geht abermals zum Loch und sieht hinein – es scheint ihm ganz unerklärlich; auf seinen Ruf kommen noch drei Häher herbei. Alle untersuchen das Loch, lassen sich die Geschichte erzählen und streiten hin und her, als ob ebenso viele Menschen ihre hohlköpfigen Ansichten zum Besten gäben.

»Noch mehr Häher werden herzugerufen, sie kommen in immer größeren Scharen geflogen, bis alles ringsumher ganz blau davon schimmert. Es mögen wohl an die fünftausend gewesen sein, und ein solches Lärmen, Hacken, Krähen und Schimpfen ist noch nie dagewesen. Jeder einzelne Häher hält das Auge ans Loch und alle kramen ihre Meinungen über das rätselhafte Ereignis aus – eine immer unsinniger wie die andere. Dann wird das ganze Haus untersucht. Die Thüre steht halb offen und ein alter Häher, der in die Nähe kommt, guckt zufällig hinein. Nun war’s mit dem Geheimnis auf einmal vorbei: da lagen alle die Eicheln auf dem ganzen Boden umhergestreut. Der Häher schlägt mit den Flügeln und erhebt ein Geschrei: ›Hierher,‹ ruft er, ›kommt alle her, der närrische Kerl hat das ganze Haus mit Eicheln füllen wollen!‹

»Da kamen sie herabgeschossen wie eine blaue Wolke; jeder geht zur Thüre, schaut hinein, und sobald ihm der ganze Unverstand des ersten Hähers klar wird, fällt er rücklings über und will vor Lachen bersten; dann kommt der nächste an die Reihe, guckt hinein und macht es ebenso.

»Hierauf saßen alle wohl über eine Stunde auf dem Hausdach und ringsum in den Bäumen und schüttelten sich vor Lachen, gerade wie die Menschen.