»Der Blauhäher hat viel Sinn für Humor – das lass’ ich mir nicht ausreden. Und ein gutes Gedächtnis hat er auch. Drei Jahre lang kamen Häher aus allen Staaten der Union jeden Sommer angeflogen, um in das Loch hinunterzusehen; auch andere Vögel brachten sie mit. Alle freuten sich an dem Spaß, nur eine alte Eule nicht, die auf einer Forschungsreise nach Naturmerkwürdigkeiten begriffen, unterwegs auch das wunderbare Loch besichtigen wollte. Sie sagte, sie könne nicht einsehen, was für ein Witz dabei sei, – indes die andern Merkwürdigkeiten hatten auch nicht viel Eindruck auf sie gemacht.«
Die Vorlesung.
Nach meiner Irrfahrt befand ich mich endlich wieder zu Hause in San Francisco ohne Mittel und ohne Beschäftigung. Ich zermarterte mir das Hirn, um einen Plan zu finden, der mich retten könnte und verfiel zuletzt darauf, eine öffentliche Vorlesung zu halten. In fieberhafter Erregung setzte ich mich voll Hoffnung hin und schrieb einen Vortrag nieder. Ich zeigte ihn verschiedenen Freunden, aber sie schüttelten alle die Köpfe und meinten, höchst wahrscheinlich würde niemand kommen, um mir zuzuhören und ich würde beschämt wieder abziehen müssen. Aber selbst im Fall die Vorlesung zu stande käme, müßte sie schmählich mißlingen, da ich ja nie zuvor öffentlich gesprochen hätte. Das machte mich ganz trostlos. Endlich jedoch klopfte mir ein Redakteur vertraulich auf den Rücken und meinte: »Ich will Ihnen was sagen! Mieten Sie den größten Saal in der Stadt und fordern Sie einen Dollar Eintrittsgeld. Bange machen gilt nicht.«
Die Tollkühnheit des Vorschlags reizte mich, umsomehr als viel praktische Weisheit und Weltkenntnis darin lag. Auch ein Theaterbesitzer hielt den Rat für gut und bot mir sein großes neues Opernhaus für fünfzig Dollars an – die Hälfte des gewöhnlichen Preises. Aus reiner Verzweiflung ging ich darauf ein und mietete es auf Kredit – aus triftigen Gründen. In drei Tagen ließ ich nun für 150 Dollars Anzeigen und Zettel drucken und war wohl das verzagteste und geängstetste Menschenkind an der ganzen Küste des Stillen Ozeans. Schlafen konnte ich nicht, das wäre wohl unter solchen Umständen niemand möglich gewesen. Wenn andern Leuten die letzte Zeile meines Anschlagzettels vielleicht scherzhaft erschienen ist, so hatte sie doch für mich einen sehr kläglichen Anstrich; mir war furchtbar beklommen zu Mute, als ich schrieb:
»Die Thüren werden um 7½ Uhr geöffnet.
Um 8 Uhr beginnt das Unheil.«
Der Satz hat manchem seither gute Dienste geleistet. Besitzer von Schaubuden haben ihn mir abgeborgt und einmal fand ich ihn sogar am Schluß einer Anzeige, durch welche den Schulzöglingen der Beginn des neuen Kursus nach den Ferien angekündigt wurde.