Als die Kolonie etwa zwanzig Jahre lang bestanden hatte, entdeckte man, daß sich das Land vorzüglich zur Schafzucht eigne. Damit war sein Wohlstand begründet, es trat mit seiner Wolle in den Welthandel ein; bald fand man auch reiche Schätze an Edelmetallen, Einwanderer strömten herbei, auch Kapitalien blieben nicht aus.

So hat sich im Laufe der Zeit das große, begüterte und aufgeklärte Staatswesen von Neusüdwales gebildet. Bergbau, Schafzucht, Straßen- und Eisenbahnen, Dampferlinien, Zeitungen, Schulen, Universitäten, botanische Gärten, Bildergalerien, Bibliotheken, Museen, Hospitäler – alles ist dort in Fülle vorhanden. Jede Art von Kultur, jedes praktische Unternehmen findet Anklang und bereitwillige Förderung; Kirchen gibt es wie Sand am Meere, und Rennbahnen im Ueberfluß.

Dreizehntes Kapitel.

Durch Erfahrung sollen wir zwar klüger werden, aber nicht allzu klug. Eine Katze, die sich einmal auf den heißen Ofendeckel gesetzt hat, vermeidet den Platz in Zukunft und tut recht daran. Aber sie will sich auch auf keinen kalten Ofendeckel setzen.

Querkopf Wilsons Kalender.

In allen Kolonien, wo Englisch gesprochen wird, herrscht die überschwenglichste Gastfreundschaft; auch Neusüdwales mit seiner Hauptstadt bildet keine Ausnahme von dieser Regel, wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen kann.

Sydney hat 400,000 Einwohner, und einem Fremden, der aus Amerika kommt, fällt zuerst auf, daß die Stadt achtmal so groß ist als er erwartet hatte. Bei näherer Betrachtung findet er dann, daß sie ganz englisch ist, mit amerikanischem Aufputz. Kommt er später nach Melbourne, so erinnert ihn dort auch der Baustil häufig an Amerika, und man könnte ihm leicht weiß machen, eine Photographie des prächtigsten Teils der Geschäftsgegend stelle das Straßenbild einer großen amerikanischen Stadt dar.

Man sagte mir, daß die schönsten Gebäude Eigentum der Squatter sind und von ihnen bewohnt werden, wenn sie zur Stadt kommen. Da sieht man recht, welchen Einfluß eine Veränderung von Klima und Lebensart nicht nur auf die Tiere, sondern auch auf die Wörter haben kann. Wenn wir in Amerika von einem Squatter reden, so meinen wir immer einen armen Menschen, aber in Australien versteht man darunter einen Millionär. Bei uns besitzt der Squatter höchstens ein paar Morgen, und oft ist sein Rechtstitel obendrein zweifelhaft, in Australien hat die Grenzlinie seines Grundstücks die Länge einer Eisenbahn; bei uns gehören dem Manne vielleicht zwei Dutzend Stück Vieh, in Australien zwischen 50,000 und einer halben Million. In Amerika ist der Squatter ein Mensch ohne Einfluß und Ansehen, niemand nimmt den Hut vor ihm ab; in Australien tut man das immer, denn er ist ein hochgeehrtes und wichtiges Mitglied der Gesellschaft. Hat man bei uns einen Onkel, der Squatter ist, so übergeht man es mit Stillschweigen; in Australien hängt man es an die große Glocke. Die Freundschaft mit einem Squatter nützt in Amerika nichts; aber wer in Australien einen Freund hat, der Squatter ist, kann mit Königen zu Nacht speisen, wenn gerade welche in der Umgegend sind.

In Australien braucht man zum Unterhalt für ein Schaf etwa drittehalb Morgen Weideland, (manche Leute sagen doppelt so viel); hat nun ein Squatter eine halbe Million Schafe, so ist sein Grundbesitz nach ungefährer Schätzung so groß wie der Staat Rhode Island. Der Wollertrag bringt ihm jährlich vielleicht eine halbe oder eine Viertelmillion Dollars ein.

Meistens bewohnt er seinen Palast in Melbourne, Sydney oder einer anderen großen Stadt und macht nur dann und wann Ausflüge zu den Schafherden in seinem Reich, das viele hundert Meilen entfernt auf der weiten Ebene liegt, um nach den Scharen seiner berittenen Aufseher, Hirten und andern Hilfsmannschaften zu sehen. Dort hat er ein geräumiges Wohnhaus, und wenn er jemand besonders wohl will, so ladet er ihn auf eine Woche bei sich zu Gaste. Er macht es ihm behaglich, zeigt ihm seinen großen Industriebetrieb bis ins einzelne, speist, trinkt und raucht mit ihm und setzt ihm von allem das Beste vor, was nur für Geld zu haben ist.