Auf einem dieser riesigen Landgüter liegt eine ziemlich große Stadt, die ich selbst gesehen habe. Man findet dort alle Geschäfte und Gewerbe vertreten, welche die Menschen zu betreiben pflegen; die Stadt selbst aber und der Grund und Boden, auf dem sie erbaut ist, sind Eigentum des Squatters. Vermutlich gehört das gar nicht einmal zu den Ausnahmefällen. Australien liefert der Welt nicht nur schöne Wolle, sondern auch Hammelfleisch. Die neue Erfindung des Transports ganzer Schiffsladungen gefrorenen Fleisches hat diesen großartigen Handel erzeugt. In Sydney besuchte ich ein Exporthaus, wo man täglich tausend Hammel schlachtet, reinigt und fest gefrieren läßt, um sie nach England einzuschiffen.
Zwischen Australiern und Amerikanern kann ich, weder was Kleidung, Lebensart, Sitte, Aussprache, noch ihr Wesen im allgemeinen betrifft, einen nennenswerten Unterschied finden. Vorübergehend erinnern die Australier zwar an ihren englischen Ursprung, aber durchaus nicht so stark, daß es auffallend wäre. Sobald der Fremde vorgestellt ist, bekommt der Verkehr einen ungezwungenen, herzlichen Anstrich, was ganz amerikanisch ist. Englische Steifigkeit und englisches Selbstbewußtsein fallen fort, wenn ich so sagen darf, und nur die englische Freundlichkeit bleibt noch übrig.
Auch daß in den Familien das Tischgespräch lebhaft und natürlich ist, ohne Zwang und Förmlichkeit, erinnert an Amerika. Das bringt wohl der streng demokratische Geist mit sich, der in Australien vorherrscht und alles steife Wesen, das aus dem Unterschied des Ranges entspringt, von vornherein ausschließt.
Sowohl in England wie in den Kolonien findet der Vorleser bei seiner Zuhörerschaft eine merkwürdig lebhafte und verständnisvolle Aufnahme. Wo sich in England die Massen versammeln, schwindet der Kastengeist und mit ihm die englische Zurückhaltung. Für den Augenblick ist völlige Freiheit und Gleichheit hergestellt; ja, der Einzelne fühlt sich so sehr aller Fesseln entledigt, daß er die gewohnte Vorsicht vergißt und seinen augenblicklichen Gefühlen ungehindert freien Lauf läßt. Er klatscht ganz allein Beifall, wenn ihm danach zu Mute ist – eine Kühnheit, die man in der übrigen Welt nur höchst selten antrifft.
Macht man dagegen die Bekanntschaft des Engländers, wenn er allein ist oder in eine kleine, ihm fremde Gesellschaft tritt, so bleibt er ernst und verschlossen. Er ist dann stets auf der Hut und läßt sich durch nichts von seinem gemessenen Wesen abbringen. Dadurch ist er in den falschen Ruf gekommen, daß er überhaupt weder Sinn noch Verständnis für den Humor hat. Natürlich sind englischer und amerikanischer Humor wesentlich verschieden, aber auch letzterer stammt doch ursprünglich aus England und ist nur durch neue Verhältnisse und eine andere Umgebung beeinflußt worden. Ich habe nie humoristischere Tischreden gehört, als gerade in Neusüdwales. Die eine hielt ein Engländer im Klub, die andere ein Australier.
Vierzehntes Kapitel.
Es gibt Leute, welche die Schuljungen oberflächlich und leichtsinnig schelten. Und doch war es ein Schuljunge, der gesagt hat: ›Glauben ist, wenn man was glaubt und dabei weiß, es ist nicht so.‹
Querkopf Wilsons Kalender.
In Sydney hatte ich einen Riesentraum, den ich einem Missionar erzählte, welcher aus Indien kam und seine Verwandten in Neuseeland besuchen wollte.
Mir träumte nämlich, das sichtbare Weltall sei die leibliche Erscheinung Gottes; die großen Himmelskörper, die wir in Entfernungen von vielen Millionen Meilen von einander am Firmamente funkeln sehen, wären die Blutkügelchen in seinen Adern, und wir und die anderen Geschöpfe die Mikroben, durch welche das Blut auf tausendfältige Art belebt wird.