Bendigo hat noch mehr Schätze geerntet als Ballarat. Beide zusammengenommen haben etwa Gold im Werte von 650 000 000 Dollars geliefert – halb so viel als Kalifornien.

Daß mein Aufenthalt in Bendigo sich so angenehm und interessant gestaltete, war hauptsächlich das Verdienst eines gewissen Herrn Blank. Er machte mir das selber klar, indem er versicherte, er habe bewirkt, daß die Stadt für mich das Fest im Rathaus veranstaltete, bei dem mir zu Ehren so viele Reden gehalten wurden, die ich dankend erwidern durfte; auf seine Veranlassung hin habe man mit mir die schöne Spazierfahrt durch die Stadt gemacht, um mir alle Sehenswürdigkeiten zu zeigen; seinem Einfluß sei es zuzuschreiben, daß ich Gelegenheit erhielt, die großen Bergwerke zu besichtigen und das Hospital, wo der kranke Chinese lag, der acht Wochen zuvor um Mitternacht in seiner einsamen Hütte von Räubern überfallen, durch sechsundvierzig Dolchstöße verwundet und dann skalpiert worden war. Als ich an sein Bett trat, saß der jammervoll zusammengeflickte und bepflasterte Unglückliche da, und tat, als ob er eins meiner Bücher läse – auch das war eine Veranstaltung des Herrn Blank. Außerdem hatte er sich nach Kräften bemüht, mir bei dem katholischen Erzbischof von Bendigo eine Einladung zur Tafel auszuwirken und den anglikanischen Bischof zu bewegen, eine Abendgesellschaft für mich zu geben. Seinem Einfluß war es auch zu verdanken, daß der Chef aller Zeitungsredakteure mit mir in die umliegenden Wälder fuhr, wo sich uns von einem Berggipfel der herrlichste Ausblick über weite Täler und bewaldete Höhen bot, den ich in ganz Australien genossen habe. Als mich Blank zuletzt fragte, was mir in Bendigo den größten Eindruck gemacht hätte und ich erwiderte, es sei der gemeinnützige Geist und gute Geschmack der Einwohner, der sie bewogen habe, die Straßen hundertfünf Meilen lang mit schattigen Bäumen zu bepflanzen – da teilte er mir mit, daß dies auf seine Veranlassung geschehen wäre.

Aber, ich stelle Blank vielleicht in ein falsches Licht. Er hat gar nicht gesagt, ich hätte das alles seinem Einfluß zuzuschreiben – das wäre ja unhöflich gewesen. Er hat es nur durch die Blume zu verstehen gegeben, in leisen Andeutungen, so daß ich es von ferne ahnen konnte, wie man den Wohlgeruch spürt, von dem die Luft erfüllt ist, wenn man im Sommer durch die Felder geht. Es lag auch in seinen Andeutungen keine Spur von Prahlerei und Selbstbewußtsein, nichts was man hätte übel nehmen können – aber doch gab er es zu verstehen.

Blank war ein Irländer, ein gebildeter, ernsthafter Mann, höflich und freundlich in seinem Benehmen, unverheiratet und dem Ansehen nach 45, höchstens 50 Jahre alt. Er suchte mich im Hotel auf und da hatten wir die oben erwähnte Unterhaltung, bei der er mich gleich für sich einzunehmen wußte, ohne daß es ihm irgend welche Mühe kostete. Teils gefiel er mir um seines angenehmen, zuvorkommenden Wesens willen, teils wegen der fabelhaften Vertrautheit mit meinen Werken, welche er im Laufe des Gesprächs verriet. Er kannte sogar die allerneusten, und ihr Inhalt war ihm so geläufig, als hätte er sie sein Lebenlang Wort für Wort studiert. Das schmeichelte mir ungemein; noch nie war ich so zufrieden mit mir selbst gewesen. Offenbar besaß der Mann einen ungewöhnlichen Sinn für Humor, doch merkte man seinem Gesichtsausdruck nichts davon an, er blieb immer ernsthaft und verzog keine Miene. Mich aber brachte er die ganze Zeit über zum Lachen – was recht anstrengend war und zugleich ein großes Vergnügen – denn alle Witze, die er zum Besten gab, stammten aus meinen eigenen Büchern.

Beim Fortgehen wandte er sich an der Tür noch einmal um.

»Sie haben sich meiner wohl nicht mehr erinnert?« fragte er.

»Ich? – Nein, wieso? Sind wir einander schon früher begegnet?«

»Das nicht, aber wir haben Briefe gewechselt.«

»Briefe?«

»Ja, vor vielen Jahren; es können zwölf oder fünfzehn Jahre sein – vielleicht noch mehr. Aber natürlich –« er schwieg gedankenvoll und fuhr dann fort: »An Schloß Corrigan werden Sie sich aber jedenfalls erinnern?«