Diese Worte brachte er stotternd und schwerfällig heraus. Dann kam es plötzlich wie Begeisterung über ihn und er erging sich in einem langen Schwall unverständlicher Reden.
»Höre auf,« unterbrach ich ihn. »Hindustani verstehe ich nicht.«
»Nicht Hindustani, Herr – Englisch. Ich sprechen Englisch immer, den ganzen Tag, manchmal.«
»Gut, so lasse ich mir’s gefallen; es ist zwar nicht was ich nach deinem Zeugnis erwartet und gehofft hatte, doch ist es verständlich. Schmücke es nicht weiter aus. Sprachverschnörkelungen, die den Sinn beeinträchtigen, sind mir verhaßt.«
»Herr?«
»Das war nur eine allgemeine Bemerkung. Aber sage mir, wie kommst du zu deinem Englisch? Hast du es gelernt, oder ist es nur eine Gabe Gottes?«
Manuel zögerte mit der Antwort.
»Ja,« sagte er dann in frommem Ton. »Er sehr gut. Christengott sehr gut, Hindugott auch sehr gut. Zwei Millionen Hindugott, ein Christengott. Gehören alle mein, zwei Millionen und ein Gott – ich haben sehr viele. Manchmal ich beten zu sie allezeit, gehen jeden Tag an Altar, geben Geld; gut für mich – macht mich besserer Mann, gut für meine Kinder auch, verdammt gut.«
Nun fing er wieder an, allerhand unzusammenhängendes Zeug zu schwatzen, bis ich unserm Gespräch ein Ende machte und ihm befahl, das Badezimmer in Ordnung zu bringen und den Boden aufzuwischen – ich wollte ihn los sein. Er tat als verstünde er mich, nahm meine Kleider aus dem Schrank und begann sie zu bürsten. Endlich, nachdem ich ihm meine Wünsche noch mehrmals in immer einfacheren Worten kundgetan, begriff er was ich wollte. Er ging hin und holte einen Kuli, um die Arbeit zu tun. Wenn er sie selbst verrichtete, erklärte er mir, würde er das Gesetz seiner Kaste übertreten und sich verunreinigen. Er könne sich dann nur mit großer Not und Schwierigkeit wieder zu Ehren bringen. Dergleichen Arbeit sei den höheren Kasten streng verboten, sie müßte von den Hindus der untersten Kaste, den verachteten Sudras getan werden.
Darin hatte Manuel vollkommen recht. Auch haben sich die armen Sudras anscheinend seit Jahrhunderten in ihr elendes Los ergeben, das sie sozusagen von Anbeginn der Welt dem Schimpf und der Bedrückung preisgibt. In den Verordnungen des Manu (900 v. Chr.) steht, daß wenn sich ein Sudra nicht auf einen niedrigeren Platz setzt als der Höhergestellte, er verbannt und gebrandmarkt werden soll … beleidigt er ein Mitglied der höheren Kaste, so wird er mit dem Tode bestraft. Hört er zu, wenn die heiligen Bücher vorgelesen werden, so soll ihm siedendes Oel in die Ohren gegossen werden; lernt er Stellen davon auswendig, so bringt man ihn um; verheiratet er seine Tochter an einen Brahminen, so fährt der Gatte in die Hölle, weil er sich durch die Berührung mit einem so unendlich tief unter ihm stehenden Weibe verunreinigt hat. Auch ist es dem Sudra verboten, Reichtum zu erwerben. »Der Hauptbestandteil der indischen Bevölkerung« (heute auf 300 000 000 geschätzt) sagt Bukle »sind die Sudras – die Arbeiter, Landbauer und Erzeuger des Wohlstands, und doch hat schon der Name Sudra eine verächtliche Bedeutung.«