Den armen alten Manuel konnten wir nicht gebrauchen; er mochte wohl schon zu bejahrt für uns sein. Ueber seine Langsamkeit wollte man schier verzweifeln und seine Vergeßlichkeit überstieg alle Grenzen. Um eine Besorgung in der nächsten Straße zu machen, blieb er zwei Stunden aus und vergaß unterwegs, was er holen sollte. Zum Packen eines Koffers brauchte er eine Ewigkeit und wenn er schließlich damit zustande kam, war der Inhalt ein unbeschreibliches Chaos. Auch die Aufwartung bei Tische besorgte er schlecht, und das ist ein sehr wesentlicher Mangel, denn wer sich in einem indischen Hotel nicht auf seinen eigenen Diener verlassen darf, ist übel dran und muß meist hungrig von Tische aufstehen. Sein Englisch verstanden wir ebensowenig wie er das unsrige, und als sich herausstellte, daß er selbst nicht verstand was er sagte, war es hohe Zeit uns von ihm zu trennen. Fortschicken mußte ich ihn, das ließ sich nicht ändern, aber ich tat es so sanft und freundlich, wie ich irgend konnte. »Wir müssen scheiden,« sagte ich, »doch hoffe ich, daß wir uns in einer bessern Welt wiederfinden.« Die kleine Unwahrheit nahm ich mir nicht übel, sie kostete nichts und ersparte ihm eine Kränkung.

Sobald er fort war, fiel mir eine Last vom Herzen, ich fühlte frische Kraft und neuen Mut, meine Unternehmungslust wuchs und ich war bereit zu allen Taten. Da kam auch schon Manuels neu gemieteter Nachfolger hereingeflitzt; er berührte seine Stirn, flog hierhin und dorthin auf sammetweichen Sohlen, brachte in fünf Minuten das ganze Zimmer in die musterhafteste Ordnung und stand dann ehrerbietig da, weitere Befehle erwartend. Potztausend, was war das für ein rühriges Kerlchen! Eine wahre Erquickung nach der schläfrigen alten Schnecke, dem Manuel. Vom ersten Augenblick an hing mein ganzes Herz voll Liebe und Bewunderung an dem zweibeinigen, flinken, schwarzen Geschöpfchen, diesem Inbegriff von Tatkraft, Schnelligkeit und Zuversicht, diesem klugen, freundlichen, reizenden kleinen Teufel mit den blitzenden Augen. Das flammendrote Fez mit der feurigen Troddel, das ihm oben auf dem Kopfe saß und wie eine brennende Kohle glühte, kleidete ihn zum Entzücken.

»Wir werden gut zusammen auskommen,« sagte ich mit innerlichster Befriedigung. »Wie heißt du?«

Er wickelte seinen Namen der ganzen Länge nach mit geläufiger Zunge ab.

»Warte, laß mich meine Auswahl treffen, zum täglichen Gebrauch – den Rest versparen wir uns auf den Sonntag. Sage mir’s noch einmal, aber abteilungsweise.«

Er tat es; doch war kein kurzer Name darunter, außer Mausa, was mir nicht passend schien; es erinnerte an Maus und war zu sanft und still und viel zu unscheinbar für sein prächtiges Wesen.

»Mausa ist kurz genug,« sagte ich nach einiger Ueberlegung, »aber es gefällt mir nicht; es hat weder Saft noch Kraft und ist nicht bezeichnend genug – in solchen Dingen bin ich sehr empfindlich. Was meinst du, wenn wir dich Satan nennten?«

»Ja Herr – Satan, sehr guter Name.«

Es klopfte an der Tür; mit einem Sprunge war Satan dort, ein paar Worte auf Hindustani wurden gewechselt, dann schlüpfte er hinaus. Drei Minuten später stand er in militärischer Haltung wieder vor mir und wartete auf meine Anrede.

»Was gibt es, Satan?«