Winter. – Der südafrikanische Winter hat eben angefangen, aber nur Sachverständige können ihn vom Sommer unterscheiden. Mir ist das sehr recht, denn ich habe den Sommer herzlich satt, der jetzt für uns schon ununterbrochen elf Monate lang dauert.
Den Nachmittag brachten wir in Delagoabai am Ufer zu. Der Ort ist klein; er hat keine Sehenswürdigkeiten, keine Wagen. Die drei Rickschas waren Privateigentum, wir konnten sie nicht mieten. Die Portugiesen hier haben eine schöne braune Hautfarbe, wie einige unserer Indianerstämme; man sieht auch Schwarze mit länglicher Kopfform und sehr langem Kinn, wie die Neger in den Bilderbüchern, aber die meisten gleichen den Schwarzen in unsern Südstaaten, haben runde Gesichter mit platten Nasen und sind gutmütige, lustige Geschöpfe.
Scharen schwarzer Weiber zogen vorüber mit zentnerschweren Frachtstücken auf dem Kopf. Sie waren Packträgerinnen und arbeiteten wie die stärksten Männer; doch mußten sie ihre ganze Kraft anstrengen, um die Last zu bewältigen, man sah, wie ihnen jedesmal beim Aufsetzen der Füße die Beine zitterten. Wenn sie unbeladen einherkommen, haben sie einen aufrechten Gang und eine ebenso schöne und stolze Haltung wie die Indianerinnen. Die Gewohnheit Lasten auf dem Kopf zu tragen, bringt das mit sich. – Man sah keine bunten Farben, obgleich es hier viele Hindus gibt.
6. Mai. – 3 Uhr nachmittags. Ganz allmählich machte das Schiff langsamere Fahrt und dampfte vorsichtig und bedächtig in den hübschen Hafen von Durban in Südafrika ein.
Aus dem Tagebuch. Hotel Royal. – Sehr behaglich; gutes Essen, gute Bedienung von Eingeborenen; ein sonderbares Gemisch von Altem und Neuem, Dorf und Stadt, Ureinfachheit und ihrem Gegenteil. Die elektrischen Glocken geben keinen Ton; der Aufseher im Bureau sagte mir, sie wären vermutlich in Unordnung geraten, weil einige klingelten und andere nicht. Als ich ihn fragte, ob es nicht ratsam wäre, sie in Ordnung zu bringen, sah er mich zweifelnd an, wie jemand der seiner Sache nicht gewiß ist – stimmte mir dann aber doch bei.
7. Mai. – Um sechs Uhr klopft es laut an meine Tür: Ob meine Stiefel geputzt werden sollen? Eine Viertelstunde später wiederholtes Klopfen: Ob wir Kaffee wünschen? Nach abermals fünfzehn Minuten: das Bad für meine Frau ist fertig; gleich darauf: mein Bad ist fertig. Es klopft noch zweimal, weshalb weiß ich nicht mehr. Die Diener lärmen draußen und schreien einander bald dies bald das zu – gerade wie in einem indischen Hotel.