Sie entledigten sich dieser Pflichten so gut sie konnten; ja, sie erfüllten sie tatsächlich alle, nur nicht zu gleicher Zeit, sondern nacheinander; die gleichzeitige Erfüllung derselben wäre wirklich ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
Bei der ganzen Angelegenheit hat für mich die militärische Frage ein größeres Interesse als die politische, denn ich habe immer eine besondere Vorliebe für den Krieg gehabt. Das heißt, ich meine für Reden über den Krieg und Erteilung militärischer Ratschläge. Wäre ich am Morgen nach der Grenzüberschreitung bei Jameson gewesen, ich hätte ihm geraten, wieder umzukehren. Die Truppen, die er befehligte, waren nicht alte, kriegstüchtige Briten, sondern größtenteils ungeübte junge Burschen. Wie sollten sie vom Pferde herab, im Gewühl der Schlacht sicher zielen und treffen? Das war unmöglich, besonders weil es gar nichts gab, wonach man schießen konnte, als Felsen, hinter denen nach altem Brauch und Herkommen die Buren steckten, denn auf freiem Felde kämpften sie niemals. Die dreihundert Scharfschützen der Buren hinter den Felsen konnten aber natürlich Jamesons Reitern übel mitspielen. Um im Kampf gegen die Buren Sieger zu bleiben, brauchten die Engländer nicht allein Mut, sondern auch Vorsicht, ganz wie wir beim Krieg gegen die Rothäute. Die tapfern Briten, die den verborgenen Buren offen entgegentraten, hatten sich die Folgen selbst zuzuschreiben.
Das Land war voller Hügelketten, Klippenreihen, Bodensenkungen, Gräben und Moränen – für Reitergefechte völlig unbrauchbar. Jameson feuerte seine Geschütze auf die Felsen ab – er verdarb die guten Felsen und verschwendete seine Munition – aber wieviel Schaden er auch anrichtete, die Buren zeigten sich nicht. Nun strömten seine Scharen in langer Linie kühn voran, die Buren schossen aus dem Hinterhalt und nach der ersten Salve waren zwanzig englische Sättel leer. Es dauerte nicht lange, so lagen sechzig Prozent der Angreifer tot oder verwundet am Boden; letztere wurden von den Buren gefangen in das Hospital nach Krügersdorp gebracht; sie selbst hatten nur vier Mann eingebüßt, von denen zwei aus Versehen durch ihre eigenen Leute getötet worden waren. Jamesons Truppen kamen den Buren überhaupt nicht nahe genug, um sie »rund um Transvaal herumzujagen«, wie sie geprahlt hatten. Nachdem auch ein letzter verzweifelter Angriff fehlgeschlagen war, ließ Jameson die weiße Flagge wehen und ergab sich.
Die britische Methode der Kriegsführung läßt sich, wie gesagt, den Buren gegenüber durchaus nicht mit Glück anwenden. Wenn mir die Führung eines solchen Feldzugs übertragen worden wäre, hätte ich die Sache ganz anders angefangen. Den Charakter des Buren habe ich studiert: Am meisten schätzt er die Bibel, und sein Lieblingsessen ist ›Biltong‹ – an der Sonne getrocknete Fleischstreifen. Die liebt er leidenschaftlich, und es ist ihm auch gar nicht zu verdenken.
Um die Buren zu bekriegen, wäre ich nur mit Flinten ausgezogen und hätte die schweren Kanonen zu Hause gelassen, die nur unnütz den Marsch aufhalten. Heimlich würde ich mich bei Nacht bis zu einer Stelle schleichen, die etwa eine Viertelmeile vom Lager der Buren entfernt ist, um dort eine fünfzig Fuß hohe Pyramide von Biltong und Bibeln zu bauen und meine Leute dahinter zu verbergen. Am nächsten Morgen würden die Buren Kundschafter ausschicken, der ganze Schwarm käme auf einmal herbeigestürmt, meine Truppen könnten sie umringen und Mann gegen Mann im freien Felde kämpfen. Dann würden sich die Verluste auf beiden Seiten etwas gleichmäßiger verteilen.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Selbst die Tinte, mit der die Weltgeschichte geschrieben wird, ist nichts als flüssig gemachtes Vorurteil.
Querkopf Wilsons Kalender.
Der Herzog von Fife hat als Zeuge ausgesagt, daß Mr. Rhodes ihn betrogen habe. Mit den Johannesburgern hat es Mr. Rhodes ganz ebenso gemacht. Er hat sie ins Unglück gestürzt, ist aber selbst weit vom Schuß geblieben. Ein gescheiter Kopf war er von jeher, darüber sind alle einig. Nur einmal hätte man fast an dieser Tatsache irre werden können. Es war zur Zeit seines letzten Raubzugs im Matabele-Land; das Kabel verkündete laut, er sei unbewaffnet dahin gegangen, um einige feindliche Häuptlinge zu besuchen. Als man aber dies tollkühne Beginnen bei Lichte besah, stellte sich heraus, daß eine Dame teil daran genommen hatte, welche ebenfalls unbewaffnet war.
Manche Leute glauben, Mr. Rhodes sei gleichbedeutend mit Südafrika; andere halten ihn nur für einen wichtigen Teil des Landes. Nach ihrer Meinung besteht Südafrika aus dem Tafelberg, den Diamantgruben, den Johannesburger Goldfeldern und Cecil Rhodes. Die Goldfelder sind wirklich höchst wunderbar. In sieben oder acht Jahren wuchs dort in der Wüste eine Stadt von 100 000 Einwohnern empor, Schwarze und Weiße zusammengenommen; aber nicht etwa eine gewöhnliche Bergwerksstadt von hölzernen Baracken, sondern durch und durch aus dauerhafterem Baumaterial. Nirgends in der Welt findet man einen solchen Goldreichtum wie in der Umgegend von Johannesburg. Mr. Bonamici, mein dortiger Geschäftsführer, gab mir eine kleine Goldstufe, auf welcher statistische Angaben über den Goldertrag seit der frühesten Zeit bis Juli 1895 eingeritzt waren. Sie bekunden den Riesenfortschritt in der Ausbeute. Im Jahre 1888 belief sich der Ertrag auf 4 162 440 $; in den nächsten sechstehalb Jahren betrug die Totalsumme 17 585 894 $ und in dem einen Jahr bis Juni 1895 gewann man einen Goldwert von 45 553 700 $.