Als die beiden Knaben im sechzehnten Jahre standen, wollte Tom auch einmal seine Schwimmkunst zeigen, wurde aber von einem Krampf befallen und dem Ertrinken nahe, schrie er um Hilfe. Die Buben von Dawson pflegten sich häufig einen Spaß daraus zu machen – besonders wenn ein Fremder in der Nähe war – zu thun, als ob sie ertrinken müßten und nach Hilfe zu rufen; kam nun der Fremde in rasender Eile herbei, so fuhr der Spaßvogel fort zu zappeln und zu schreien, bis der Retter dicht bei ihm war, dann schlug er eine höhnische Lache auf und schwamm gleichmütig davon, während die andern Buben den Gefoppten nach Herzenslust verspotteten. Tom hatte den Streich noch nie versucht, und als nun sein Hilferuf ertönte, hielt es niemand für Ernst. Nur Schamber glaubte, daß sein Herr wirklich in Gefahr sei, deshalb schwamm er herbei und kam leider noch zu rechter Zeit, um ihm das Leben zu retten.

Das stieß dem Faß den Boden aus. Tom hatte schon viel ertragen, aber, daß er nun auf immer vor aller Welt einem Neger zu Dank verpflichtet sein sollte, überstieg seine Kräfte. Er erging sich in Schimpf- und Scheltworten, weil Schamber ihm nicht vom Leibe geblieben sei und ›vorgab‹ zu glauben, Tom habe im Ernst nach Hilfe gerufen, während man doch ganz vernagelt dumm sein müßte, um nicht zu sehen, daß er nur Spaß treiben wollte.

Toms Feinde aber, die diesmal in großer Schar versammelt waren, drehten jetzt den Spieß um. Sie lachten ihn aus, nannten ihn Hasenherz, Lügner, Duckmäuser und was dergleichen Liebesnamen mehr waren. Auch kündigten sie ihm an, daß Schamber von jetzt ab in der ganzen Stadt nicht anders als ›Tom Driscolls Negerpappy‹ heißen sollte, denn er habe ihn so gut wie neu geboren und ihm das Leben geschenkt.

Wütend über den Spott und Hohn schrie Tom:

»Schlag’ ihnen den Schädel ein, Schamber – schlag’ ihnen den Schädel ein! – Was stehst du da mit den Händen in den Hosentaschen?«

»Aber, Massa Tom, ’s sind ihrer so viele –« wagte Schamber einzuwenden.

»Thu’, was ich dir sage.«

»Bitte, Massa Tom, zwingt mich nicht! Es sind ihrer wirklich zu viele, da kann ich –«

Im nächsten Augenblick war Tom auf ihn zugestürzt und hatte ihm sein Taschenmesser zwei oder dreimal in die Brust gestoßen, bevor die andern ihn fortreißen und den Verwundeten in Sicherheit bringen konnten. Schamber war zwar schwer, aber nicht gefährlich verletzt; wäre die Klinge nur etwas länger gewesen, so würde seine Laufbahn damals ihr Ende erreicht haben.

Was Roxy betraf, so hatte ihr Tom schon längst gezeigt, ›wo sie hingehörte.‹ Seit Jahren wagte sie nicht mehr, ihm Schmeichelnamen zu geben oder ihn zu liebkosen. Das alles war ihm widerwärtig von einer ›Negerin‹, und er riet ihr, ihm nicht zu nahe zu kommen, sonst würde es ihr übel ergehen. Allmählich hörte ihr Herzblatt ganz auf, ihr Sohn zu sein; sie sah dies Verhältnis spurlos verschwinden. Nur der Gebieter war noch übrig geblieben, und er herrschte durchaus nicht mit milder Hand. Von dem Ehrenplatz, welcher der Mutter gebührt, sah sie sich herabgestoßen und zur elenden Sklavin erniedrigt. Ein tiefer Abgrund hatte sich zwischen ihnen aufgethan. Tom benützte sie nur noch wie ein Hausgerät zu seiner Bequemlichkeit; sie war ein mißachtetes, willenloses Opfer, und jeder Laune seiner boshaften Natur hilflos preisgegeben.