»Zwei – hundert – Dollars! Weißt du auch, was das heißt? – Zwei – hundert – Dollars! Du meine Güte – da könnt’ man ja fast ’nen starken Neger aus zweiter Hand dafür kaufen. Du lügst mich doch nicht an, Söhnchen – wirst doch deine alte Mammy nicht belügen?«

»’S ist die reine Wahrheit – zweihundert Dollars – ich sag’ dir’s ja und will’s beschwören. Jemine, wie ist der alte Massa gesprungen – gekocht hat er vor Wut und gleich ist er hingegangen und hat Massa Tom enterbt.«

Roxy riß die Augen weit auf und starrte ihn verblüfft an. »Ent – was?« fragte sie.

»Enterbt,« wiederholte Schamber, »sein Testament zerrissen.«

»Zerrissen – nicht möglich. Das würde er nie thun. Nimm das gleich zurück, du erbärmlicher, unechter Neger, den ich mit Kummer und Schmerzen geboren habe.«

Roxys schönstes Luftschloß – der monatliche Dollar aus Toms Tasche – stürzte vor ihren Augen zusammen. Das war ein entsetzliches Mißgeschick, der Gedanke schien ihr unerträglich.

»Hahaha!« lachte Schamber belustigt, »hört nur mal das. Wenn ich ein unechter Neger bin, was bist du dann wohl? Wir sind zwei unechte Weiße, weiter nichts – sehr gut nachgemacht noch dazu, hahaha! aber als Neger ganz mißlungen – eben drum –«

»Schweig’ still mit deinem Gewäsch, sonst kriegst du eins um die Ohren – erzähl’ weiter von dem Testament. Sag’, daß es nicht zerrissen ist, thu’s, Schatz, und ich will dir’s gedenken.«

»Na, also – ’s ist wieder ganz – man hat ein neues gemacht und Massa Tom ist noch, was er war. Aber, du brauchst dich nicht so drüber zu erhitzen, Mammy. Was geht’s denn dich an?«

»Mich soll’s nichts angehen? Wen denn sonst, bitte? Bin ich nicht seine Mutter gewesen, bis er fünfzehn Jahre alt war? Und nun soll mir’s gleich sein, wenn man ihn kahl und leer in die Welt ’naus jagt! Du weißt nichts von Muttergefühlen, Schamber, sonst thätst du nicht solchen Unsinn reden.«