»Also – der alte Massa hat ihm vergeben und das Papier noch mal geschrieben – ist dir’s nun recht?«

Ja, sie war ganz glücklich und zufrieden und weinte ein bißchen vor Freuden. Alle Tage erschien sie wieder, bis es endlich einmal hieß, Tom sei nach Hause gekommen. Sie zitterte ordentlich vor innerer Erregung, schickte auch sogleich zu ihm und ließ ihn bitten, er möchte seiner armen alten Negermammy die schreckliche Freude machen, daß sie ihn nur einmal sehen dürfe.

Tom lag träge auf dem Sofa ausgestreckt, als Schamber kam und die Botschaft brachte. Der alte Widerwille, den er gegen den armen Packesel und Beschützer seiner Knabenjahre empfand, hatte sich mit der Zeit nicht gemildert; sein Ingrimm und seine Erbitterung waren noch ebenso stark wie damals. Jetzt richtete er sich auf und starrte mit zornigem Blick in das hübsche Gesicht des jungen Burschen, dessen Namen und Geburtsrecht er gestohlen hatte, ohne es zu wissen. Lange sah er ihn unverwandt an, bis der Geängstigte so schreckensbleich geworden war, wie es sein Peiniger wollte.

»Was will das alte Tier?«

Die Bitte wurde in aller Demut wiederholt.

»Wer hat dir erlaubt hereinzukommen und mich mit den Anliegen einer elenden Negerin zu belästigen?«

Tom war aufgesprungen. Der junge Bursche, der vor ihm stand, zitterte heftig. Er wußte, was jetzt kommen würde, bog den Kopf zur Seite und hob als Schild den linken Arm in die Höhe. Ohne ein Wort zu sagen, holte Tom aus, und Schlag auf Schlag hagelte nun auf Kopf und Schultern des armen Menschen nieder, der die Hiebe geduldig hinnahm und nur »bitte, Massa Tom – o bitte, Massa Tom!« flehte. Nach dem siebenten Schlag rief Tom: »Umkehren – hinaus – marsch!« Er folgte hinterdrein, um seinem Opfer noch einen, zwei, drei derbe Fußtritte zu versetzen.

Der letzte Tritt beförderte den weißen Sklaven zur Thür hinaus; er hinkte fort und wischte sich die Augen mit seinem alten zerlumpten Aermel. »Schick’ sie herauf!« schrie ihm Tom noch nach.

Dann warf er sich keuchend wieder auf den Sofa und brummte: »Der kam wie gerufen. Ich war zum überfließen voll schwerer Gedanken und brauchte jemand, an dem ich meine Galle auslassen konnte. Es hat mir gut gethan, ich fühle mich ordentlich erfrischt.«

Jetzt trat Toms Mutter ein; sie schloß die Thür hinter sich und näherte sich ihm mit all der kriechenden, schmeichlerischen Unterwürfigkeit, welche Furcht und Eigennutz den Worten und Gebärden des geborenen Sklaven verleihen können. Zwei Schritte von ihrem Sohn entfernt blieb sie stehen und erging sich in bewundernden Ausrufungen über seine schöne Gestalt und sein ganzes männliches Aussehen. Tom legte seinen Arm unter den Kopf und warf ein Bein über die Sofalehne, um gehörig gleichgültig zu erscheinen.