»Potztausend, wie du gewachsen bist, mein Herzchen. Ich hätt’ dich wahrhaftig nicht wiedererkannt, Massa Tom. Sieh mich mal an. Kennst du denn die alte Roxy noch, deine Negermammy von früher? – Ja, nun kann ich mich hinlegen und in Frieden sterben, weil meine alten Augen – –«
»Laß das Geschwätz – komm zur Sache. Was willst du hier?«
»Du meine Güte! Noch immer derselbe Massa Tom, so spaßhaft und lustig mit der alten Mammy. Ich wußt’s ja ganz gewiß – –«
»Hörst du nicht – mach’s kurz und packe dich wieder! Was willst du von mir?«
Das war eine bittere Enttäuschung. Roxy hatte sich so lange damit ergötzt und erquickt und in den Gedanken eingewiegt, Tom würde sich freuen, seine alte Wärterin zu sehen und sie durch ein paar herzliche Worte stolz und überglücklich machen. Da vermochte sie es kaum zu fassen, daß ihr schöner Traum nichts als die Eitelkeit ihres thörichten Herzens und ein jammervoller Irrtum war. Erst nachdem sie zum zweitenmal hart angelassen worden, begriff sie, daß es kein Scherz sein sollte. Es kränkte sie tief; vor Scham und Herzeleid wußte sie nicht gleich, was nun zu thun sei. Ihre Brust hob und senkte sich, Thränen traten ihr in die Augen und in ihrer Ratlosigkeit beschloß sie, den Versuch zu machen, ihren Sohn um Unterstützung zu bitten, damit wenigstens ihr anderer Traum in Erfüllung ginge. Ohne weitere Ueberlegung flehte sie ihn an:
»O Massa Tom, der armen alten Mammy ist’s so schlecht ergangen, sie hat großes Unglück gehabt, jetzt sind nun gar ihre Arme gelähmt und sie kann nicht arbeiten. Gebt ihr doch einen Dollar – nur einen einzigen Dol –«
Tom sprang so rasch auf die Füße, daß die Bittstellerin erschrocken zusammenfuhr.
»Was sagst du – einen Dollar! Erwürgen könnte ich dich. Du willst hier um Geld betteln? Pack’ dich auf der Stelle, mach’ daß du fortkommst!«
Roxy zog sich langsam nach der Thür zurück. Auf halbem Wege blieb sie stehen und sagte voll Trauer:
»Massa Tom, ich hab’ Euch gewartet und gepflegt, als Ihr klein wart, und hab’ Euch ganz allein aufgezogen. Jetzt seid Ihr jung und reich, und ich bin arm und krank. Da kam ich her und dachte, Ihr würdet der alten Mammy helfen, auf dem kurzen Weg, den sie noch hat, bis sie im Grabe liegt, und – –«