Tom sprang auf, griff nach einem Holzscheit und hob es drohend empor, aber seine Mutter lachte nur höhnisch.
»Setz’ dich hin, du Gelbschnabel,« sagte sie. »Glaubst du, ich fürcht’ mich vor dir und deinesgleichen? Wenn du könntest, jagtest du mir ’ne Kugel in’n Rücken – das säh’ dir ganz gleich – ich kenn’ dich durch und durch. Bring’ mich nur um – dir nützt’s doch nichts – alles ist aufgeschrieben und in sichern Händen. Der Mann, der’s in Verwahrung hat, weiß auch, wer der Rechte ist, an den er sich halten muß, wenn mir ein Leids geschieht. – Du meine Güte, denkst du denn, deine Mutter ist ebenso erzdumm wie du? Das bilde dir nur nicht ein. Jetzt setz’ dich dorthin, betrag’ dich anständig und steh’ nicht eher wieder auf, bis ich dir’s sage!«
Tom war wie rasend vor ohnmächtiger Wut. Eine Weile tobte er noch und stürmte im Zimmer umher, endlich schien er zu einem festen Entschluß zu kommen.
»Es ist alles nur Unsinn und Faselei,« sagte er so bestimmt er konnte. »Gehe nur hin und versuche es, mich zu verderben; ich habe nichts mehr mit dir zu schaffen.«
Ohne ein Wort der Erwiderung nahm Roxy die Laterne vom Nagel und schritt nach der Thür. Der kalte Angstschweiß trat Tom auf die Stirne.
»Komm wieder, Roxy, komm wieder!« jammerte er. »Es war nicht mein Ernst, ich will es nie mehr sagen, ich nehme alles zurück! Sei nur gut, Roxy, und bleibe hier.«
Das Weib stand einen Augenblick still und befahl dann in strengem Ton:
»Eins muß jetzt ganz aufhören, Valet de Schamber. Du darfst mich nicht mehr Roxy nennen, als wärest du meinesgleichen. So reden Kinder nicht mit der Mutter. Du sagst Ma oder Mammy zu mir, wie sich’s gehört – wenigstens wenn niemand dabei ist. – Sag’s!«
Mühsam brachte Tom das Wort heraus.
»So ist’s recht. Vergiß das nicht wieder, sonst soll dir’s übel bekommen. Also – du hast eben versprochen, du wirst es nie mehr Lüge und Unsinn nennen? Nun gut – ich warne dich: hör’ ich’s noch einmal aus deinem Munde, so hast du’s zum letztenmal gesagt. Auf der Stelle geh’ ich dann zum Richter Driscoll, sag’ ihm, wer du bist und geb’ ihm die Beweise. Glaubst du mir das alles, Schamber?«