»Unglaublich!«
»Es ist die reine Wahrheit. Wilson entdeckte es in den Linien seiner Hand. Er sagte es ihm auf den Kopf zu und trieb ihn so in die Enge, daß der Graf es eingestehen mußte. Beide Zwillinge baten uns jedoch auf den Knieen, das Geheimnis nicht zu verraten und gelobten, sich hier am Ort nichts zu Schulden kommen zu lassen. Es war ein so peinlicher Auftritt, daß wir unser Ehrenwort gaben, die Sache geheim zu halten, solange sie ihr Versprechen nicht brächen. Du hättest es auch gethan, Onkel.«
»Da hast du ganz recht, mein Junge. Ein Geheimnis, das einem Menschen auf solche Weise entrissen worden ist, sollte als sein Eigentum betrachtet und heilig gehalten werden. Ich kann dich nur loben, und bin stolz auf dich. Doch ich wollte,« fügte er traurig hinzu, »mir hätte die Schande erspart bleiben können, einem Mörder auf dem Feld der Ehre zu begegnen.«
»Es ließ sich nicht ändern, Onkel. Hätte ich gewußt, daß du ihn fordern wolltest, so würde ich es für meine Pflicht gehalten haben, mein gegebenes Wort zu brechen, um das Duell zu verhindern. Aber Wilson konnte man es füglich nicht zumuten, daß er reden sollte.«
»Nein; Wilson hat ganz recht gethan, ich mache ihm durchaus keinen Vorwurf. Tom, Tom, du nimmst mir eine Last von der Seele; es hat mich im tiefsten Innern geschmerzt, als ich entdeckt zu haben meinte, daß ein Glied meiner Familie sich als Feigling erwies.«
»Du kannst dir denken, wie viel es mich gekostet hat, diese Rolle zu spielen.«
»Jawohl, mein armer Junge. Und wie schwer muß es dir geworden sein, die ganze Zeit lang unter einem so ungerechten Verdacht zu stehen. Aber jetzt ist alles wieder gut und der Schaden geheilt. Du hast mir meine Gemütsruhe zurückgegeben und die deinige wiedergewonnen, wir hatten beide genug gelitten.«
Der alte Mann versank eine Weile in tiefe Gedanken; als er aufblickte, lag ein Ausdruck der Befriedigung in seinen Zügen. »Daß der Mörder mir den Schimpf angethan hat, sich mir auf dem Felde der Ehre gegenüberzustellen, als sei er meinesgleichen, ist eine Sache, die noch ins Reine gebracht werden muß, aber nicht jetzt. Erst nach dem Wahltag will ich Abrechnung mit ihm halten. Ich weiß ein Mittel, wie ich die Brüder schon vorher zu Grunde richten kann, und das will ich zuerst anwenden. Keiner von beiden soll gewählt werden, dafür bürge ich. Ist auch sicher noch nichts davon an die Oeffentlichkeit gedrungen, daß er ein Mörder ist?«
»Nein – ich weiß es ganz gewiß.«
»Diese Karte behalte ich also einstweilen in der Hand. Am Wahltag werde ich eine Andeutung von der Rednerbühne fallen lassen, daß ihnen der Boden unter den Füßen brennen soll.«