»Was halten Sie denn davon, Blake?« fragte er.
»Ich muß gestehen, ich teile Toms Ansicht: sie haben das Messer überhaupt nicht gehabt, oder, wenn sie es hatten, so haben sie es noch.«
Die beiden Männer trennten sich.
»Ich glaube, daß sie es gehabt haben,« dachte Wilson im Weitergehen. »Wäre es ihnen gestohlen, so hätte mein Plan es wieder ans Licht gebracht, das steht fest. Demnach müssen sie es noch in Händen haben.«
Tom hatte dieses wichtige Gespräch begonnen, ohne einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Er hoffte nur Blake und Wilson etwas zu ärgern und sich auf ihre Kosten lustig zu machen. Beim Abschied aber triumphierte er innerlich. Durch den reinsten Glücksfall und ohne jegliche Anstrengung seinerseits waren ihm ein paar köstliche Dinge gelungen: er hatte die beiden Männer an ihrem wundesten Fleck getroffen und gesehen, wie sie sich krümmten; er hatte in Wilsons zuckersüße Gefühle für die Zwillinge einen Tropfen Wermut gegossen – den bittern Geschmack sollte er nicht so bald los werden – und, was ihn am meisten freute: es war ihm geglückt, die verhaßten Fremden von ihrer Höhe zu stürzen. Blake würde ohne Zweifel die Neuigkeit weiter herumtragen, nach Art des Detektivs, und bevor noch acht Tage um waren, würde sich jedermann den Zwillingen gegenüber ins Fäustchen lachen, weil sie für eine Kostbarkeit, die sie entweder niemals besessen oder niemals verloren hatten, großartige Belohnungen aussetzten. Tom war wirklich ausnehmend mit sich zufrieden.
Die ganze Woche über hatte er sich zu Hause musterhaft aufgeführt. Dem Onkel und der Tante war so etwas noch gar nicht vorgekommen; sie fanden nicht das geringste an ihm zu tadeln.
Am Samstag abend sagte er zu dem Richter: »Mir liegt etwas schwer auf dem Herzen, Onkel, und da ich bald fortreise, und man nie weiß, ob man sich wiedersieht, ertrage ich es nicht länger. Du hast glauben müssen, daß ich mich aus Furcht nicht mit dem italienischen Abenteurer schlagen wollte. Es kam mir so überraschend, und ich habe vielleicht einen falschen Vorwand gewählt, um davon los zu kommen, aber kein Ehrenmann, der von ihm wüßte, was ich weiß, würde sich auf einen Zweikampf mit ihm einlassen.«
»So? – Und was wäre denn das?«
»Graf Luigi bekennt selbst, daß er einen Mord begangen hat.«