»Nicht daß ich wüßte.«
»Nun, dann begreife ich wohl, warum dein Plan mißglückt ist.«
»Was soll das heißen, Tom, worauf willst du hinaus?« fragte Wilson, dem es unbehaglich zu Mute wurde.
»Ich meine, es giebt überhaupt gar kein solches Messer.«
»Meiner Treu, Wilson,« rief Blake, »ich möchte gleich tausend Dollars wetten – wenn ich sie hätte – daß Tom Driscoll es getroffen hat.«
Wilson stieg das Blut zu Kopfe. War es möglich, daß die Fremden ihn wirklich zum besten gehabt hatten? – Der Schein sprach gegen sie, das ließ sich nicht leugnen. Aber was sollten sie damit bezwecken? – Er warf diese Frage auf.
»Nun,« sagte Tom, »du selbst würdest vielleicht keinen Wert auf solche Dinge legen, aber sie sind fremd in der Stadt und müssen sich erst die Gunst der Leute erwerben. Muß es ihnen nicht schmeicheln, wenn sie sich als Lieblinge eines orientalischen Fürsten aufspielen können – ohne daß es sie was kostet? Verleiht es ihnen keine Wichtigkeit, wenn sie hier in unserem armen Städtchen glänzende Belohnungen von tausend Dollars ausschreiben, – die sie nie zu bezahlen brauchen? – Verlaß dich darauf, Wilson, wäre das Messer überhaupt vorhanden, so hättest du es zum Vorschein gebracht. Entweder giebt es also gar kein solches Messer, oder es ist noch in ihrem Besitz. Ich meinesteils glaube, daß sie das Dolchmesser einmal irgendwo gesehen haben. So schnell und geschickt hätte Angelo es nicht aufs Papier zeichnen können, wenn die ganze Sache nur auf Erfindung beruhte. Natürlich kann ich nicht schwören, sie hätten es nie gehabt, aber, daß es noch in ihrem Besitz ist, wenn sie es überhaupt mit hierher gebracht haben – dafür will ich mich verbürgen.«
»Was Tom sagt, klingt sehr einleuchtend,« meinte Blake, »das läßt sich nicht bestreiten.«
»Schaffen Sie nur die alte Frau zur Stelle, Blake, und wenn sie Ihnen das Messer nicht abliefern kann, so halten Sie Haussuchung bei den Zwillingen.«
Nach diesen Worten schlenderte Tom fort und Wilson blieb in sehr gedrückter Stimmung zurück. Er wußte nicht recht, was er denken sollte. Den Zwillingen sein Vertrauen zu entziehen, fiel ihm schwer, und er beschloß, es nicht auf einen so unbestimmten Verdacht hin zu thun; jedenfalls wollte er sich die Sache erst reiflich überlegen.