Der Konstabler hatte nicht gleich eine schlagende Antwort bei der Hand; er räusperte sich nur unzufrieden und schwieg.
Seit jenem Abend, an dem Wilson einen Teil seiner Absichten kund gethan, hatte sich Tom fortwährend den Kopf zerbrochen, um den ganzen Plan zu erraten. Da ihm das nicht gelang, beschloß er der klugen Roxana den Fall zur Entscheidung vorzulegen. Sie dachte eine Weile nach und gab dann ihr Urteil ab. Was sie gesagt hatte, leuchtete Tom sehr ein; jetzt aber wollte er die Probe machen und dabei Wilsons Gesichtsausdruck beobachten.
»Daß du kein Narr bist, David,« sagte er gedankenvoll, »ist ja vor kurzer Zeit entdeckt worden. Deshalb wird auch wohl der Plan, den du entworfen hast, nicht gerade unsinnig sein, wenn auch Blake anderer Meinung ist. Du brauchst ihn nicht zu verraten, aber laß mich dir sagen, wie ich mir die Sache denke: Du hast fünfhundert Dollars für Rückgabe des Messers und fünfhundert für den Fang des Diebes ausgesetzt. Ich will einmal annehmen, daß die erste Belohnung öffentlich ausgeschrieben und die zweite den Pfandleihern nur durch einen Privatbrief mitgeteilt worden ist, dann – –«
Blake schlug sich auf den Schenkel, daß es klatschte. »Donnerwetter, Querkopf, so muß es sein. Er ist hinter dein Geheimnis gekommen. Warum mir das nur nicht von selbst eingefallen ist!«
Wilson sagte sich, daß jeder Mensch, dem es nicht an Verstand fehlte, schließlich den Plan erraten mußte. Daß Blake den Kunstgriff nicht herausgefunden hatte, nahm ihn nicht wunder, aber Toms Scharfsinn überraschte ihn. »Es steckt doch mehr hinter ihm als ich dachte,« überlegte er, äußerte aber nichts dergleichen.
»Auf diese Weise,« fuhr Tom fort, »merkt es der Dieb nicht, wenn er in die Falle läuft. Er bringt oder schickt das Dolchmesser, sagt, er habe es billig gekauft oder auf der Straße gefunden und fordert die Belohnung. Natürlich würde man ihn festnehmen – nicht wahr?«
»Jawohl.«
»Ohne allen Zweifel. – Sage einmal, Wilson, hast du das Dolchmesser je gesehen?«
»Nein.«
»Hat irgend einer von deinen Bekannten es in Augenschein genommen?«