»Wozu? Du kannst ihn ja doch nicht lesen. Was soll er dir nützen?«

»Gieb mir den Zettel!« Tom that es; doch merkte sie ihm sein Zögern an. »Hast du mir auch alles vorgelesen?«

»Jawohl, gewiß.«

»Halt’ die Hand in die Höhe und schwöre mir’s.«

Nachdem Tom auch dies gethan hatte, steckte Roxana das Papier sorgfältig ein. Die ganze Zeit über verwandte sie jedoch kein Auge von Toms Gesicht.

»Du lügst!« sagte sie.

»Weshalb sollte ich denn wohl lügen?«

»Das weiß ich nicht – aber du lügst – wenigstens glaub’ ich’s. Doch darum handelt’s sich jetzt nicht. Als ich den Mann sah, bekam ich solchen Schreck, ich konnt’ kaum noch auf den Beinen stehen. Dann gab ich ’nem Neger einen Dollar für die Kleider hier, und seitdem bin ich in kein Haus mehr gekommen, weder bei Tag noch bei Nacht. Ich schwärzte mein Gesicht und verbarg mich tags im Keller von ’nem alten abgebrannten Haus und nachts kroch ich zwischen die Zuckerfässer und Kornsäcke auf der Werft und stahl was ich brauchte, um meinen Hunger zu stillen. Was zu kaufen getraut’ ich mir nicht und bin schier verschmachtet. Auch hierher durft’ ich mich erst heut wagen, in dieser Regennacht, wo kaum ein Mensch unterwegs ist. Seit es dunkel wurde, hab’ ich drüben in der Gasse gestanden und gewartet, daß du vorbeikommen solltest. Und nun bin ich hier.«

Sie verlor sich eine Weile in Gedanken, dann fragte sie:

»Letzten Montag mittag hast du den Mann gesehen?«