»Und es ist auch wirklich so. Es giebt gar kein Buch wie die Bibel, Peters. Ein paar knifflige Punkte sind zwar drin – das kann man nicht ableugnen – aber laßt nur nicht locker und sinnt sie aus – seid Ihr erst einmal in das Inwendige gekommen, so ist alles hell wie der Tag.«

»Ach – auch die Wunder, Kapitän?«

»Jawohl, auch die Wunder, Herr; ein jedes einzelne, ohne Ausnahme. Da ist z. B. die Angelegenheit mit den Propheten Baals – he? Wahrscheinlich hat Euch die vor den Kopf gestoßen?«

»Ja, allerdings – ich weiß nicht, aber –«

»Na, bekennt’s nur gleich; das hat Euch verblüfft, ich glaub’s wohl. Ihr hattet noch keine Erfahrung, dergleichen Dinge auseinander zu wirren, da bliebt Ihr natürlich drin stecken. – Wär’s Euch recht, wenn ich Euch die Sache erklärte und Euch zeigte, wie Ihr auf den Kern dieser Dinge kommen könnt?«

»Ja, wirklich, das würde mir sehr lieb sein, Kapitän, wenn’s Euch paßt.«

Darauf fuhr der Kapitän fort wie folgt.

»Das werd’ ich mit Vergnügen thun, Peters. Zuerst, seht Ihr, da hab’ ich gelesen und gelesen und gedacht und gesonnen, bis ich dahin kam, zu verstehen, was das für eine Sorte von Leuten war, in den alten Bibelzeiten, und hernach war es mir klar und leicht. Auch mit der Geschichte von den Propheten des Baal und dem Isaak,[9] hab’ ich’s auf die gleiche Art angegriffen. Es gab nämlich in jenen alten Tagen unter den allgemein bekannten Persönlichkeiten mächtig gescheite Männer – und Isaak war einer von ihnen. Isaak hatte seine Fehler, das leugne ich gar nicht. Es kommt mir nicht zu, den Isaak rein zu waschen; er hat die Propheten des Baal hinters Licht geführt, doch kann man ihm das vielleicht zu gute halten, wenn man bedenkt, wie groß ihre Ueberzahl war. Nein, ich behaupte nur, daß es kein Wunder war und will es beweisen, so daß Ihr Euch selber davon überzeugen könnt.

[9] Dies ist des Kapitäns eigene Verwechslung.

»Nun also – die Zeiten waren für die Propheten schlimmer und schlimmer geworden – das heißt für die Propheten von Isaaks Glaubensbekenntnis. In der Gemeinde waren vierhundertundfünfzig Propheten Baals und nur ein einziger Presbyterianer – wenn nämlich Isaak ein Presbyterianer war, wie ich denke, aber ich kann’s nicht gewiß sagen. Natürlich hatten die Propheten Baals das ganze Geschäft in Händen; Isaak mag wohl recht niedergeschlagen gewesen sein, aber es steckte ein ganzer Mann in ihm. Wahrscheinlich ist er nun umhergezogen und hat prophezeit – just als wollte er sein Handwerk unter der Landbevölkerung treiben, aber das half alles nichts. Wider solche Gegenpartei konnte er nichts ausrichten, was sich verlohnte. Allmählich wurde die Sache ganz verzweifelt für ihn. Da fängt er an, mit dem Kopf zu arbeiten, denkt sich alles aus – und was thut er dann? – Nun, er giebt hier und da zu verstehen, es sei bei der andern Partei so und so – dies und das nicht ganz in Ordnung – vielleicht nichts Bestimmtes, aber gerade genug, um ihr Ansehen bei den Leuten in aller Stille zu untergraben. Das gab natürlich Geklatsch und endlich kam es dem König zu Ohren. Der König fragt den Isaak, was seine Reden bedeuten. Der Isaak sagt: ›O, nichts Besonderes; ich meine bloß – können Eure Propheten Feuer vom Himmel auf einen Altar herunter beten? Das ist vielleicht nichts Großes, Majestät; ich frage bloß – können sie es thun? Das möchte ich wissen.‹