»Den König beunruhigte das nun sehr, und er ging zu den Baalspropheten. Die antworteten ziemlich von oben herab: wenn der König einen Altar bereit hätte, so wären sie auch bereit; auch ließen sie nebenbei einfließen, er solle nur gleich für die Feuerversicherung sorgen.
»Den nächsten Morgen also versammelten sich alle Kinder Israels und ihre Eltern und das übrige Volk. Da war auf einer Seite der große Haufen der Propheten Baals zusammengedrängt und auf der andern Seite schritt Isaak allein auf und ab und überdachte sein Stück Arbeit.
»Als nun die Zeit gekommen war, that Isaak ganz gemütlich und gleichgültig; er rief der Gegenpartei zu, sie könnten die Vorhand haben. So fingen nun die ganzen vierhundertundfünfzig an, um den Altar herum zu beten, in großer Hoffnung und nach besten Kräften. Sie beteten eine Stunde – zwei Stunden – drei Stunden und immerfort, straks bis zum Nachmittag. Es half aber alles nichts – sie hatten keinen Kniff angewendet. Natürlich machten sie sich lächerlich vor allem Volk, und das fühlten sie auch. – Was hätte nun ein großmütiger Mann wohl gethan? – Stillgeschwiegen, nicht wahr? Versteht sich. Und was that Isaak? Er reizte und ärgerte die Propheten Baals auf alle erdenkliche Weise.
»›Ihr schreit nicht laut genug,‹ sagte er, ›euer Gott ist scheint’s eingeschlafen; oder, kann sein, er ist über Feld gegangen, ihr müßt brüllen, wenn er euch hören soll‹ – oder so ungefähr, ich besinne mich nicht auf die richtigen Worte. – Versteht mich recht – ich entschuldige den Isaak nicht – er hat seine Fehler.
»Nun gut! Die Propheten beteten weiter, so eifrig sie konnten, den ganzen Nachmittag und brachten doch keinen Funken zuwege. Endlich beim Sonnenuntergang hatten sie allesamt Kraft und Atem verloren, sie mußten es eingestehen und gaben’s auf.
»Was thut jetzt der Isaak? – Er tritt vor und sagt zu einigen seiner Freunde, welche in der Nähe waren: ›Gießt mir vier Tonnen Wasser auf den Altar!‹ – Jedermann war erstaunt, denn, seht Ihr, die andere Partei hatte trocken gebetet und war zu Schanden geworden. – Na, sie gossen es drauf. Dann ruft er: ›Laßt noch vier Tonnen drüber fließen!‹ Und dann: ›Noch vier mehr draufgegossen.‹ – Also zwölf Tonnen zusammen. Das Wasser lief über den ganzen Altar und die Seiten herunter und füllte noch einen Graben rund herum, der wohl ein paar Oxhoft halten mochte. – Maß steht in der Bibel – ich meine, es bedeutet ungefähr ein Oxhoft. – Viele Leute zogen schon wieder ihre Sachen an, um heimzugehen; sie glaubten, der Mann wäre verrückt geworden. Aber da kannten sie den Isaak schlecht.
»Isaak kniete nieder und fing an zu beten. Er holte weit aus und konnte kein Ende finden; von den Heiden in fernen Ländern kam er auf die Schwesterkirchen, auf die, so da Macht haben in der Regierung, auf den Staat und das Land im großen und einzelnen und betete das ganze übliche Gebet herunter – Ihr wißt schon – bis jedermann es satt bekam und längst angefangen hatte, an andere Dinge zu denken. Dann aber, ganz plötzlich, als niemand drauf merkt, holt er ein Zündholz ’raus, streicht damit – ritsch – von hinten über seine Beine und – paff! – los flammt die ganze Geschichte, wie ein Haus im Feuer!«
»Zwölf Tonnen Wasser?« –
»Nein, Petroleum, Herr, Petroleum! – das war’s! –«
»Petroleum, Kapitän?«