»Das ist übergenug, Wilhelm. Welchen hast du gekauft?«

»Nun, darauf werde ich gleich kommen, Hans. Siehst du, Nummer 8 kostete 13 Dollars, Nummer 9 aber 14 – –«

»Sehe schon. Da hast du Nummer 8 genommen.«

»Warte nur. Ich nahm Nummer 9 und will dir auch sagen, warum. Erstens, weil der Dekan Nummer 9 haben wollte. Nach der Art und Weise, wie er sich darüber aufgehalten hat, daß Seths Weib etwas auf seinen Platz zu liegen kam, hätte ich ihm den Platz weggeschnappt und wenn er mich zwei statt einen Dollar mehr gekostet hätte. Was ist ein Dollar? dachte ich bei mir. Das Leben ist nur eine Pilgerschaft, sag’ ich; wir sind ja nicht für immer da und können nichts mit uns nehmen. So legte ich denn das Geld hin und dachte: der Herr läßt ja keine gute That unbelohnt und, so Gott will, verdien’ ich den Dollar an jemand anders bei nächster Gelegenheit zurück. Ich hatte aber auch noch einen anderen Grund. Nummer 9 ist weitaus der hübscheste Platz im ganzen Kirchhof und am schönsten gelegen; er liegt gerade auf dem Gipfel einer Anhöhe, mitten im Kirchhof. Man kann von dort aus Millport und Tracy und den Rumpfberg und eine ganze Reihe von Farmen sehen; im ganzen Staat ist keine schönere Aussicht von einem Begräbnisplatz aus, – so sagt wenigstens Higgins und der muß es wissen. Das ist aber noch nicht alles. Shorb mußte wohl oder übel Nummer 8 nehmen. Nun stößt Nummer 8 an Nummer 9 und da jene am Abhang liegt, so läuft alles Wasser zu den Shorbs hinab. Higgins meinte, wenn des Dekans Zeit einmal komme, möge er seine sterblichen Ueberreste nur gegen Feuer- und Wasserschaden zugleich versichern.«

Nach diesen Worten ließ sich ein leises, doppeltes Kichern vernehmen, das Beifall und Zufriedenheit ausdrückte.

»Sieh, Hans, da hab’ ich eine rohe Skizze von dem Grundstück auf ein Stück Papier gebracht. Da oben in der Ecke linker Hand haben wir die Gestorbenen untergebracht; wir holten sie aus dem alten Friedhof und legten sie nebeneinander nach der alten Regel: ›Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‹, ganz unparteiisch, Großvater Jonas zuerst, weil er zufällig zuerst an die Reihe kam, Seths Zwillinge zuletzt. Daran schließen sich die künftigen Grabstätten: hier auf der Stelle, die mit A bezeichnet ist, wollen wir Maria und ihre Familie bestatten, wenn sie abgerufen werden; B ist für Bruder Hosea und die Seinen bestimmt, C für Calvin und sein Haus. Was noch übrig ist, sind diese zwei Plätze hier – just die Perle des ganzen Flecks, was das Aeußere anbelangt; sie sind für mich und meine Leute und für dich und die Deinen bestimmt. Nun, in welchem möchtest du am liebsten begraben sein?«

»Da bin ich überfragt, Wilhelm! Das kann ich dir nicht gleich sagen. Wahrhaftig, vor lauter Ueberlegen, wie man es den andern bequem machen könnte, habe ich an mein eigenes Begrabenwerden gar nicht gedacht.«

»Das Leben ist nur ein flüchtiger Traum, Hans, wie das Sprichwort sagt. Wir müssen alle fort, früher oder später. Die Hauptsache ist, daß unsere Rechnung mit dem Himmel glatt abgeht. Das ist das einzige, wonach wir trachten müssen!«

»Ja, so ist’s, Wilhelm, so ist’s; da kann man nicht herumkommen. – Zu welchem von den Plätzen würdest du mir raten?«