Endlich faßte er sich ein Herz und hielt um ihre Hand an, ward aber zu seinem großen Leidwesen von dem Fräulein abgewiesen.
»Mir war es selbst höchst zweifelhaft, ob Sie mich nehmen würden,« bemerkte er kleinlaut, »aber versuchen wollte ich’s doch wenigstens.«
Nach einiger Zeit wiederholte er seinen Antrag, jedoch ohne besseren Erfolg. »Wissen Sie,« sagte er in seiner wohlbekannten, schleppenden Redeweise, »ich habe eine weit höhere Meinung von Ihnen, als wenn Sie ›ja‹ gesagt hätten – aber hart ist’s doch.« – Bei der dritten Anfrage hatte er endlich mehr Glück, aber nun galt es noch das schwierigste Werk zu vollbringen, nämlich den Vater zu erobern.
»Herr Richter,« redete er den stolzen Millionär an, »haben Sie wohl bemerkt, daß zwischen mir und Fräulein Lizzie etwas im Werke ist?«
Der alte Herr, der nicht begriff, was Clemens wollte, betrachtete ihn mit strenger Miene:
»Durchaus nicht, nein, ich habe nichts bemerkt, wovon reden Sie denn?«
»Nun geben Sie acht, dann werden Sie es schon sehen.«
Das that Herr Langdon denn auch und nachher, als ihm die Augen aufgegangen waren, ließ er den feurigen Verehrer seiner Tochter eines Tages in sein Privatzimmer kommen.
»Herr Clemens,« sagte er, »ich bin jetzt über den Zweck Ihrer Besuche in meinem Hause nicht mehr im unklaren. Die Sache ist von großer Wichtigkeit für mich und die meinigen, denn das Wohl meiner Tochter liegt mir sehr am Herzen. Bevor ich Ihnen also gestatten kann, sich um ihre Hand zu bewerben, möchte ich etwas genauer über Ihr früheres Leben unterrichtet sein. Ich muß Sie daher bitten, mir die Namen Ihrer Freunde in Kalifornien zu nennen, von denen ich Näheres über Sie erfahren kann.«
Mark Twain mußte sich wohl oder übel dem Verlangen des besorgten Vaters fügen. Wie vorauszusehen war, erhielt Herr Langdon auf seine nun angestellten Erkundigungen manchen ungünstigen Bescheid; besonders wurde die Möglichkeit, daß Clemens je ein guter Ehegatte werden könne, stark in Zweifel gezogen. Im Beisein der Liebenden las der Schwiegervater in spe die eingelaufenen Briefe laut vor und es entstand eine peinliche Stille. Seine Verlobte machte der Verlegenheit jedoch ein Ende; sie schob die Papiere beiseite und sagte: »Wir wollen unser Heil doch zusammen versuchen – trotz alledem.«