Ich schloß mein Weibchen in die Arme und hob es dann jubelnd in die Höhe, in demselben Augenblicke aber ließ ich sie ziemlich unsanft fallen – denn was war das? Dort auf dem Tischchen lag eine Urkunde. Ich trat hin.

Es war eine Schenkungsurkunde, auf Grund deren mir mein Schwiegerpapa das ganze Haus, in dem ich wohnte, samt dessen Einrichtung zum Geschenk machte!! –

Ich muß dabei ein unglaublich dummes Gesicht gemacht haben, denn mein Weibchen lachte und lachte, daß ihr die Thränen in die Augen traten. Dann aber zog sie mich am Arme zum Fenster hin.

»Da sieh hin,« sagte sie und wies auf das Haus gegenüber.

Hol’ mich der Teufel, – das Haus, das Haus da gegenüber war wahrhaftig – das Haus meines Schwiegervaters. Mein Haus und sein Haus lagen einander querüber und um hierher zu gelangen, waren wir drei Stunden immer in der Runde herumgefahren, und das – in der Hochzeitsnacht!

Na – wenn man mit solch einem Schwiegervater nicht Humorist werden soll, dann wird man es nie und nimmermehr!« –

Im Herbst 1870 gab Clemens seine Stellung in Buffalo auf und zog nach Hartford in Connecticut. Er war jetzt ein wohlhabender Mann, denn die ›Harmlosen auf Reisen‹ brachten ihm bedeutende Summen ein und auch das Vermögen seiner Frau war nicht unbeträchtlich. 1871 erschien ein neues Buch von ihm, ›Roughing it‹, in welchem er mit köstlichem Humor sein abenteuerliches Leben unter den Goldgräbern schildert. Das Werk fand großen Beifall, was der Verfasser in seiner humoristischen Weise besonders der anregenden Wirkung des Tabaks zuschreibt. »Von meinem achten Jahre an,« berichtet er, »begann ich unmäßig zu rauchen, monatlich etwa hundert Zigarren; als ich zwanzig Jahre alt war, verbrauchte ich zweihundert den Monat und mit dreißig Jahren hatte ich es bis dreihundert gebracht. In meinem fünfzehnten Jahre rauchte ich einmal drei Monate lang gar nicht, ob das aber eine gute oder schlechte Wirkung hatte, erinnere ich mich nicht mehr. Mit zweiundzwanzig Jahren wiederholte ich den Versuch; mit vierunddreißig hörte ich anderthalb Jahre lang ganz auf zu rauchen. Meine Gesundheit wurde nicht besser davon, wahrscheinlich, weil an derselben überhaupt nichts auszusetzen war. Damals schrieb ich nur zum Zeitvertreib dann und wann einen Journalartikel und eine Abnahme meiner Geisteskräfte war mir nicht gerade aufgefallen. Als ich mich nun aber eines Tages daran machte, laut abgeschlossenen Vertrags für einen Verleger ein Buch zu schreiben – nämlich ›Roughing it[13] – da fühlte ich, wie schwer es mir wurde. In drei Wochen brachte ich nur sechs Kapitel fertig. Nun wußte ich, was die Glocke geschlagen hatte; ich gab den Kampf auf, rauchte wieder meine dreihundert Zigarren, verbrannte die sechs Kapitel und beendete das ganze Buch mit Leichtigkeit in drei Monaten.«

[13] In unserer Ausgabe betitelt: »Nach dem fernen Westen« und: »Im Gold- und Silberlande.« (Band 4 und 5 der humoristischen Schriften.)


Fünftes Kapitel.
Mark Twains spätere Werke.