Doch hinweg von diesen harmlosen Studentenscherzen! Wie so oft im Leben heiterer Scherz und tragischer Ernst sich merkwürdig nahe berühren, so trat auch an mich bald darauf die Notwendigkeit heran, einem echten Zweikampf beizuwohnen – einem Zweikampf ohne weibische Schutzvorkehrungen, auf Tod und Leben. Ich will denselben im folgenden Kapitel beschreiben, und daraus wird der Leser inne werden, welch himmelweiter Unterschied besteht zwischen einer possenhaften studentischen Paukerei und einem ernsthaften Zweikampf zwischen Männern! –


II.
Die wahre Geschichte des Duells zwischen Gambetta und Fourtou.

(1878.)

Wie sehr man sich auch von allen Seiten über die Einrichtung des französischen Duells lustig machen mag, es ist und bleibt in Wirklichkeit eines der ungesundesten Dinge der Welt. Da es unter allen Umständen im Freien ausgefochten wird, so können die jedesmaligen Gegner darauf schwören, daß sie sich aufs Gründlichste erkälten. Paul von Cassagnac, der eingefleischteste Gewohnheitspaukant des derzeitigen Frankreichs, hat auf diese Weise so häufig zu leiden gehabt, daß er nachgerade ein ausgesprochener Invalide ist. Die besten Aerzte von Paris sind sich vollständig einig darin, daß, wenn er sich nur noch fünfzehn oder zwanzig Jahre so fort duelliert, ohne den Schauplatz seiner Mensuren von allerlei Wäldern und Sümpfen nach einem eigens dazu hergerichteten, behaglichen, geschlossenen Raum zu verlegen, er leicht sein Leben gefährden könne. Diese Thatsache sollte genügen, um allen den Mund zu stopfen, welche das französische Duell deswegen für einen besonders gesunden Sport halten, weil es stets unter offenem Himmel stattfindet und den Genuß der freien Luft mit allen Vorteilen körperlicher Bewegung vereinigt. Die andere unsinnige Behauptung, daß die französischen Duellanten infolgedessen unsterblich seien, würde dann von selbst verstummen.

Doch zur Sache! Vom ersten Augenblick an, da ich von dem jüngsten Aufeinanderplatzen der Herren Gambetta und Fourtou in der französischen Kammer hörte, waren mir die ernstlichen Folgen klar. Eine lange intime Bekanntschaft mit Herrn Gambetta hatte mir das unversöhnliche und verzweifelte Wesen dieses Mannes enthüllt. Ich wußte, daß das Verlangen nach Rache ihn bis zu den äußersten Spitzen und Ausläufern seiner Persönlichkeit, welche bekanntlich von bedeutendem Umfang ist, durchdringen würde.

Ich wartete nicht, bis er zu mir kam, sondern suchte ihn sofort in seiner Wohnung auf. Wie ich erwartet hatte, fand ich den ritterlichen Staatsmann im unerschütterlichsten französischen Gleichmut. Er raste zwischen den zu Trümmern geschlagenen Möbeln seines Zimmers hin und her, und ab und zu hielt er inne, um solche Stücke, die ihm noch nicht klein genug erschienen, mit dem Fuße emporzuschleudern. Zwischen seinen Zähnen knirschte ein Sprühregen von fragmentarischen Flüchen und Verwünschungen hervor. Gelegentlich fuhr er sich auch mit beiden Händen in die Haare, um eine Faust voll davon auszureißen und sie auf den Tisch zu legen, wo sich bereits eine ganze Pyramide davon auftürmte.

Er schleuderte seine ausgebreiteten Arme um meinen Hals, riß mich über seinen Bauch hinweg an sein Herz, küßte mich auf jede Wange, hob mich fünf- oder sechsmal vom Fußboden empor und trug mich dann in ein andres Zimmer, wo sich noch ganze Möbel befanden, um mich dort in seinen eigenen Armsessel halb niederzusetzen, halb fallen zu lassen. Sobald ich meinen Atem wiedergewonnen, kam ich sofort zum Geschäft.