»Angenommen aber,« antwortete der Hochwürdige, – »angenommen, daß statt der Musik, die im Vorübergleiten gestohlen werden kann, der Draht Liebeszärtlichkeiten geheimster und heiligster Natur aussendet?«
Alonzo schauderte vom Scheitel bis zur Zehe. »Mein Herr, ich verstehe, Ihre Erfindung ist unbezahlbar; ich muß sie haben – um jeden Preis.«
Aber die Erfindung, welche aus Cincinnati bestellt war, wollte nicht eintreffen. Alonzo verging vor Ungeduld: der Gedanke, daß Rosannahs liebe Worte von irgend einem elenden Neugierigen geteilt würden, war ihm eine Folter. Der Hochwürdige kam häufig und beklagte den Verzug und sprach von Maßregeln, die er getroffen, um die Ankunft zu beschleunigen. Das war ein kleiner Trost für Alonzo.
Eines Vormittags stieg der Hochwürdige die Treppe hinan und klopfte an Alonzos Thür: es erfolgte keine Antwort. Er trat ein, blickte forschend umher und eilte dann zum Telephon. Die ausnehmend sanften fernen Töne des ›Sweet By-and-By‹ fluteten durch das Instrument. Die Sängerin nahm wie gewöhnlich die fünf Noten, die den beiden ersten im Chor folgten, um einen halben Ton zu tief, als der Hochwürdige sie – in einer Stimme, welche diejenige Alonzos täuschend, nur mit einem entfernten Anflug von Ungeduld, nachahmte – plötzlich unterbrach:
»Mein Schatz?«
»Ja, Alonzo?«
»Bitte, singe das in dieser Woche nicht mehr, – probiere etwas Modernes.«
Ein leichter Schritt, wie er zu einem glücklichen Herzen paßt, wurde jetzt auf der Treppe hörbar, worauf der Hochwürdige teuflisch lächelnd rasch Zuflucht hinter den schweren Falten der sammetnen Fenstervorhänge suchte. Alonzo trat ein, flog zum Telephon und sagte:
»Liebste Rosannah, wollen wir zusammen singen?«