»Wie herrlich! Bestimme auch die Stunde, Rosannah.«

»Ich liebe den Morgen mit seiner Frische und Heiterkeit. Paßt es dir um acht Uhr morgens, Alonzo?«

»Die schönste Stunde des Tages – da sie dich zu der meinigen macht.«

Es folgte eine Pause, während welcher ein Ton hörbar war, als ob körperlose Geister Küsse austauschten; dann sagte Rosannah: »Entschuldige mich nur für einen Augenblick, Lieber; ich muß einen Besuch erwarten, drüben im andern Zimmer.«

Das junge Mädchen eilte in das Besuchszimmer und nahm an einem Fenster Platz, das die Aussicht auf eine schöne Landschaft gewährte. Zur Linken konnte man das hübsche Nuuanathal, eingesäumt von einer üppigen Fülle tropischer Blumen und graziöser Kokospalmen, überschauen; die anstoßenden niederen Hügel waren in das leuchtende Grün von Zitronen- und Orangenbäumen gekleidet; die geschichtlich berühmte Schlucht drüben, in welche der erste Kamehameha seine dem Untergange geweihten Feinde hineintrieb, hatte wahrscheinlich ihre grausige Geschichte vergessen, denn wie gewöhnlich am Mittag wölbte sich eine Anzahl von Regenbogen über ihr. Gerade vor dem Fenster sah man die wunderlich gebaute Stadt und hie und da eine Gruppe von dunkelfarbenen Eingeborenen, die sich des fast unerträglich heißen Wetters freuten; und weitab zur Rechten lag der ruhelose Ozean, der seine weiße Mähne im Sonnenscheine schüttelte.

Rosannah saß wartend da, in ihrem leichten weißen Gewand, und fächelte ihr erregtes und erhitztes Gesicht; endlich steckte ein halbnackter, mit einem Cylinderhut bedeckter Kanakenknabe den Kopf zur Thür herein und meldete: »Herr aus 'Friesko!«[8]

[8] Abkürzung für San Francisco.

»Weise ihn herein,« sagte das Mädchen, indem sie sich aufrichtete und eine entschiedene Haltung annahm. Herr Sidney Algernon Burley trat ein, von Kopf bis zu Fuß in blendendes Weiß, d. h. in die leichteste und weißeste irische Leinwand gekleidet. Er trat rasch heran, aber das Mädchen machte eine Bewegung mit der Hand und warf ihm einen Blick zu, der ihn plötzlich stehen bleiben ließ. Sie sagte kalt: »Ich bin hier, wie ich versprach. Ich glaubte Ihren Versicherungen, gab ihrem ungestümen Drängen nach und sagte, ich würde den Tag bestimmen. Ich bestimme den 1. April um acht Uhr des morgens. Und nun gehen Sie.«

»O, meine Teuerste, wenn die Dankbarkeit einer Lebenszeit – –«

»Kein Wort mehr. Erlassen Sie mir Ihren Anblick und jeden Verkehr mit Ihnen bis zu jener Stunde. Nein – keine Bitten; ich will es so haben.«