Ein armer, angehender Literat hatte sich vergeblich bemüht, für seine Manuskripte einen Verleger zu finden. Endlich, als er schon nahe am Verhungern war, klagte er einem berühmten Schriftsteller seine traurige Lage und bat ihn um Rat und Hilfe.
Der hochherzige Mann legte sogleich seine eigenen Sachen beiseite und begann eins der verschmähten Manuskripte durchzulesen. Als er dies menschenfreundliche Werk beendet hatte, schüttelte er dem jungen Manne herzlich die Hand und sagte: »Ihre Arbeit ist nicht schlecht; kommen Sie am nächsten Montag wieder.«
Zur verabredeten Zeit erschien der junge Autor; der berühmte Schriftsteller aber öffnete, ohne ein Wort zu sagen, ein Journal, das soeben erst aus der Presse kam und zeigte dem Staunenden seinen eigenen Artikel, der in den Spalten des Blattes abgedruckt war. Der junge Mann sank auf die Kniee und brach in Thränen aus: »Wie kann ich mich Ihnen für solchen Edelmut je dankbar genug erweisen!« rief er.
Der Schriftsteller, welcher dieses gethan, war der große Snodgraß und der junge Literat, den er aus dem Dunkel hervorzog und vom Hungertode errettete, kein anderer als der später nicht minder berühmte Snagsby.
Möchten wir uns an diesem erfreulichen Vorgang ein Beispiel nehmen und bereitwillig allen Anfängern beistehen, welche der Hilfe bedürfen.
Fortsetzung.
In der folgenden Woche stellte sich Snagsby wieder ein und brachte fünf zurückgewiesene Manuskripte mit. Dies überraschte den berühmten Snodgraß einigermaßen, weil die jungen Leute, von denen das Buch erzählt, nie mehr als einmal der Handreichung bedurften um emporzukommen. Indessen arbeitete er die Schriftstücke durch, schnitt hier und da viele unnötige Blumen fort und rodete die Eigenschaftswörter scheffelweise aus. Es gelang ihm darauf wirklich zwei der Artikel bei Zeitschriften unterzubringen.
Nach Ablauf einer Woche erschien der dankbare Snagsby mit einer neuen Ladung von Manuskripten. Wohl hatte es dem berühmten Autor zuerst eine hohe innere Befriedigung gewährt, dem strebsamen jungen Manne mit Erfolg helfen zu können und sich mit den großmütigen Leuten zu vergleichen, von denen das Geschichtenbuch berichtet; jetzt aber begann sich in ihm der Argwohn zu regen, daß vielleicht nicht alles in Richtigkeit sei. Trotzdem sich sein Enthusiasmus plötzlich abgekühlt hatte, gewann er es aber nicht über sich, den jungen Menschen zurückzustoßen, der sich in seiner vertrauensvollen Herzenseinfalt so fest an ihn klammerte.
Das Ende vom Liede war denn auch, daß der berühmte Schriftsteller den armen, jungen Anfänger fortdauernd auf dem Halse behielt. Die schwachen Versuche, welche er anstellte, sich der Last zu entledigen, waren vergebens. Immer wieder mußte er Snagsby Rat erteilen und ihm Mut einsprechen, mußte sich bemühen die Annahme seiner Manuskripte bei den Zeitschriften durchzusetzen und sie vorher gehörig zustutzen, weil sie sonst unbrauchbar waren. Als der junge Streber endlich im Sattel saß, schwang er sich plötzlich mit einem kühnen Sprung auf den Gipfel des Ruhms. Er beschrieb nämlich das Privatleben des berühmten Autors bis in die kleinsten Einzelheiten mit so beißendem Witz, daß sein Buch einen fabelhaften Absatz fand, dem gefeierten Schriftsteller aber vor Kränkung darüber das Herz brach. Noch mit dem letzten Atemzug seufzte er: »Ach, jenes verlockende Buch hat mich betrogen; es verschweigt die letzte Hälfte der Geschichte. Hütet euch, meine Freunde, vor strebsamen jungen Literaten! Kein Mensch soll sich vermessen, jemand vom Tode zu retten, den Gott verhungern lassen will – er läuft nur in sein eigenes Verderben.«