Einmal übers andere habe ich, im guten Glauben, daß es mir gelingen würde, wirklich versucht ihnen zu antworten. Einiges konnte ich wohl erledigen, aber unwiderruflich blieb doch die Mehrzahl der in der letzten Woche eingegangenen Briefe bis zur nächsten liegen.

Die Folge war dann jedesmal, daß die sich aufhäufenden Briefe zuerst eine vorwurfsvolle Miene annahmen, dann mir grimmige Blicke zuwarfen, als wollten sie mir eine Strafpredigt halten, und zuletzt ein so beleidigendes, unverschämtes Gesicht machten, daß mir die Geduld ausging. Wenn das geschah, öffnete ich die Ofenthür und statuierte ein Exempel an ihnen.

Und siehe da – sofort war jedes bedrückende Gefühl über vernachlässigte Pflichten verschwunden und alle meine verlorene Seelenheiterkeit kehrte zurück.


Gedankentelegraphie.

Es giebt gewisse Begebenheiten im Menschenleben, welche man seit Anbeginn der Welt für ein Spiel des Zufalls gehalten hat. Erst in unsern Tagen ist es der Psychologischen Gesellschaft in England gelungen, der Menschheit klar zu machen, daß, was wir gewöhnlich als ›merkwürdiges Zusammentreffen‹ bezeichnen, keineswegs auf blindem Zufall beruht, sondern einfach die Wirkung der Botschaft ist, welche ein Geist dem andern, oft weit über Land und Meer zuschickt. Beispiele von Gedankentelegraphie kommen viel häufiger vor als man gemeinhin glaubt und entstehen so wenig aus bloßem Zufall wie Abgang und Ankunft einer telegraphischen Depesche.

Ich hatte die Entdeckung schon längst gemacht und meine Erfahrungen niedergeschrieben; doch konnte ich mich nicht entschließen, sie zu veröffentlichen, aus Furcht, man möchte für Scherz halten, was im vollen Ernst gemeint war. Jetzt aber erscheint die Frage in einem ganz neuen Licht, dank der verdienstlichen und einflußreichen Thätigkeit der Psychologischen Gesellschaft, und ich brauche mein altes Manuskript, das aus dem Jahre 1878 stammt, nicht länger im Schreibtisch zu verwahren: – – –