Es war wirklich nicht mehr auszuhalten. Eben stand ich auf dem Punkte, mit dem Bekenntnis herauszuplatzen: »Lloyd, ich bin ja selbst ein Bettler – ohne einen Pfennig Geld und stecke dazu noch in Schulden.« Aber da leuchtete plötzlich ein herrlicher Gedanke blitzähnlich in meinem Kopfe auf. Ich biß die Zähne zusammen und bezwang mich, bis ich so kalt war, wie ein Großkapitalist. Dann sagte ich mit vollkommen geschäftsmäßiger Ruhe: »Ich will dich retten, Lloyd.«

»Dann bin ich schon gerettet; Gott segne dich ewig dafür! Wenn ich je –«

»Laß mich ausreden, Lloyd. Ich will dich retten, aber nicht so, wie du meinst. Denn nach all den Mühen und Opfern, die du es dich hast kosten lassen, wäre das nicht anständig an dir gehandelt. Ich brauche keine Minenanteile; an einem Weltplatz wie London kann ich auch mein Geld ohne dies arbeiten lassen, es ist ja bis jetzt auch gegangen. Nein, wir machen die Sachen folgendermaßen: Ich kenne ja natürlich dieses Bergwerk ganz genau; ich weiß, welch ungeheurer Wert darin steckt und kann es auf Verlangen jedem eidlich bekräftigen. Du sollst im Lauf der nächsten vierzehn Tage für bare drei Millionen Anteilscheine verkaufen, indem du von meinem Namen unbeschränkten Gebrauch machst, und dann teilen wir den Gewinn – halb und halb.«

Lloyd geriet darüber so außer sich vor Freude, daß er wie toll herumtanzte und mir meine ganze Einrichtung kurz und klein geschlagen haben würde, hätte ich ihm nicht schließlich ein Bein gestellt und ihn an Händen und Füßen gebunden. Als er so dalag, rief er ganz beseligt aus: »Ich darf deinen Namen gebrauchen! deinen Namen! – Stelle dir nur vor, Mensch! In Scharen kommen sie gelaufen, diese reichen Londoner und prügeln sich um die Anteile! Ich bin ein gemachter Mann, geborgen für alle Zeit, in meinem ganzen Leben vergesse ich dir das nicht!«

Keine vierundzwanzig Stunden dauerte es, so war die Sache bereits in ganz London herumgekommen. Ich hatte Tag für Tag nichts zu thun, als zu Hause zu sitzen und all den Leuten, die bei mir erschienen, zu sagen: »Jawohl, ich habe ihm gestattet sich auf mich zu beziehen. Ich kenne ihn und kenne das Bergwerk. Er selbst verdient volles Vertrauen und die Anteile sind weit mehr wert, als er dafür verlangt!«

Inzwischen verbrachte ich alle meine Abende bei dem Gesandten mit Portia. Von dem Bergwerk sagte ich ihr keine Silbe, das sparte ich mir zu einer späteren Ueberraschung auf. Wir sprachen immer nur von unserer Liebe und vom Gehalt, bald von dem einen, bald von dem andern, manchmal auch von beidem untereinander. Und dann, guter Gott, das Interesse, das Frau und Tochter des Gesandten an unserer Angelegenheit nahmen und die endlosen Listen und Schlauheiten, die sie ersannen, um uns vor Störungen zu schützen und den Gesandten nicht hinter die Sache kommen zu lassen – ach, es war wirklich allerliebst von den beiden!

Als der Monat um war, besaß ich ein Guthaben von einer Million Dollars bei der London- und County-Bank, und Hastings stand ebenso. In ausgesuchtester Toilette fuhr ich an Portland-Place vorbei. Als ich mich an dem Aussehen der Wohnung überzeugt hatte, daß meine Vögel wieder zu Neste geflogen sein mußten, holte ich meinen Schatz bei dem Gesandten ab und fuhr mit ihr zusammen wieder nach Portland Place. Während der ganzen Fahrt bildete der Gehalt den Gegenstand unserer eifrigsten Erörterungen. Die Besorgnis, in die sie sich dabei hinein redete, ließ sie so reizend erscheinen, daß es kaum mehr auszuhalten war.

»Mein Herzchen,« sagte ich zu ihr, »so wie du jetzt aussiehst, wäre es ein Verbrechen, einen Pfennig weniger als dreitausend Pfund im Jahre zu verlangen.«