Zahlt die Taxe der Passagier,

Knips' ein, knips' ein das Fahrpapier!«

Chor der Schaffner:

»Zahlt die Taxe der Passagier,

Brüder knipst ein das Fahrpapier!«

Kürzlich stieß ich zufällig in einem Tageblatt auf dies Reimgebimmel und las es ein paarmal durch. Augenblicklich war ich davon wie besessen; es schwirrte mir beim Frühstück fort und fort durch den Kopf und als ich meine Serviette zusammenlegte, wäre ich nicht imstande gewesen zu sagen, ob ich etwas gegessen hatte oder nicht.

Ich trat nun an das Schreibpult, um mein Tagewerk zu beginnen, wie ich es mir schon am vergangenen Abend vorgesetzt hatte. In dem Roman, an welchem ich schrieb, war ich gerade bei einer erschütternden Tragödie angekommen. Ich griff nach der Feder, um den blutigen Auftritt zu schildern, aber ich dachte nichts als: »Schaffner, knips' ein das Fahrpapier.« Eine Stunde lang kämpfte ich aus allen Kräften dagegen an, allein umsonst.

»Acht-Cents-Fahrt ein blau' Papier. Sechs-Cents-Fahrt ein gelb' Papier u. s. w. u. s. w.« summte es mir im Kopf ohne Rast und Ruh. Von Arbeiten konnte keine Rede sein, das lag auf der Hand. Ich gab es auf und schlenderte in der Stadt umher, aber bald merkte ich, daß meine Füße nach dem Takt jenes Reimgeklingels marschierten. Auf die Länge ward mir das unerträglich; ich änderte meinen Schritt, allein das half nichts. Die Verse paßten sich sofort der neuen Gangart an und verfolgten mich nach wie vor.

Ich kehrte um und ertrug das Leiden zu Hause den Vormittag über, es quälte mich beim Mittagessen, welches ich mechanisch und ohne Genuß verzehrte, den ganzen Abend hindurch bimmelte es mir in den Ohren, ich ging voll Jammer zu Bett, und während ich mich ruhelos hin und her warf, wälzten sich mir immer wieder die Verse durch das Hirn, bis ich gegen Mitternacht wie wahnsinnig aufsprang und zu lesen versuchte. Aber die Buchstaben tanzten vor meinen Augen und alles was ich sah war: »Schaffner, knips' ein das Fahrpapier.« Bei Sonnenaufgang hatte ich den Verstand verloren und meine Angehörigen horchten mit Staunen und Bekümmernis auf meinen Blödsinn. »Knips' ein, o, knips' ein das Fahrpapier,« faselte ich immer von neuem.