Zwei Tage später, am Sonnabend morgen, erhob ich mich – eine jammervolle Ruine – schwankend vom Lager. Ich suchte den Pfarrer N., meinen werten Freund auf, um mit ihm, wie wir verabredet hatten, einen Spaziergang von zehn Meilen nach dem Talcott-Turm zu unternehmen. Er sah mich mit großen Augen an, lieh jedoch seiner Verwunderung keine Worte. Wir machten uns auf den Weg. Der Pfarrer sprach und sprach und sprach, wie es seine Gewohnheit ist. Ich erwiderte keine Silbe, ich hörte nichts.
»Mark, bist du krank?« fragte mein Freund endlich, als wir eine Meile gegangen waren. »Du siehst entsetzlich abgehärmt und angegriffen aus. Thu' mir doch die Liebe und sprich einmal ein Wort.«
Mit trübseliger Miene versetzte ich eintönig: »Schaffner, knips' ein das Fahrpapier – Zahlt die Taxe der Passagier.«
Der Pfarrer starrte mich verwirrt an:
»Ich verstehe nicht recht, was das heißen soll, Mark. Mir scheint, was du da sagst, ist weder außergewöhnlich noch besonders betrübend – und doch – es lag vielleicht an deinem Ton – klangen die Worte so sterbenstraurig, wie mir im Leben noch nichts vorgekommen ist. Was hast du nur?«
Aber ich hörte längst nichts mehr. Ich war schon in weiter Ferne, bei der nicht endenwollenden, unabwendbaren »Acht-Cents-Fahrt ein blau' Papier. – Sechs-Cents-Fahrt ein gelb' Papier – Drei-Cents-Fahrt ein rot' Papier – Zahlt die Taxe der Passagier – Knips' ein, knips' ein das Fahrpapier.« – Was während der übrigen neun Meilen geschehen ist, weiß ich nicht.
Plötzlich jedoch legte mir der Pfarrer die Hand auf die Schulter und schrie mich an:
»Wach' auf, wach' auf, ich beschwöre dich! Du schläfst ja mit offenen Augen. Dort liegt der Turm vor uns; ich habe mich taub, blind und stumm geredet und du giebst keine Antwort. Sieh dich doch um in der herrlichen Herbstlandschaft. Schau' hin und weide deine Blicke daran. Du bist weit gereist und hast die gepriesensten Naturschönheiten mit eigenen Augen gesehen. Nun sage einmal deine Meinung – was hältst du von diesem Landschaftsbild?«
Ich seufzte tief und murmelte: »Sechs-Cents-Fahrt ein gelb' Papier – Drei-Cents-Fahrt ein rot' Papier – Zahlt die Taxe der Passagier – Knips' ein, knips' ein das Fahrpapier.« Der Pfarrer stand still und sah mich lange mit ernsten, teilnahmvollen Blicken an.
»Mark,« sagte er endlich, »ich kann aus der Sache nicht klug werden. Sind das dieselben Worte wie vorhin? – Sie klingen ganz unverfänglich und doch bricht es mir fast das Herz, sie dich sagen zu hören. – Knips' ein, knips' ein das Fahrpapier – war es nicht so?«