3. Ich schrecke vor der Aufgabe zurück, Ihnen schriftstellerische Arbeiten zu verschaffen, für welche Sie Honorar beanspruchen. Sobald Ihre Leistungen selbst den Beweis geliefert haben, daß sie wirklich wertvoll sind, werden Sie nie mehr herumzugehen brauchen, um nach litterarischer Beschäftigung zu suchen. Sie werden alle Hände voll zu thun bekommen und mehr Grütze im Kopf nötig haben, als Ihnen vielleicht jemals zur Verfügung steht, um nur die Hälfte der Arbeit zu verrichten, die man Ihnen antragen wird. Will der angehende Schriftsteller den Beweis beibringen, daß er wirklich etwas Gutes zu leisten vermag, so weiß ich ein ganz einfaches Mittel, ein vollkommen sicheres Verfahren, um diesen Zweck zu erreichen: er schreibe so lange ohne Bezahlung, bis ihm jemand Honorar anbietet. Wird ihm im Lauf von drei Jahren kein Honorar angeboten, so darf er dies mit vollem Vertrauen als ein Zeichen betrachten, daß ihn die Natur zum Holzhacker bestimmt hat. Wenn er auch nur ein Körnchen Weisheit besitzt, wird er sich mit Würde zurückziehen und den ihm vom Himmel verordneten Beruf ergreifen.


Ein Verfahren, wie ich es hier schildere, haben Leute wie Charles Dickens und andere hervorragende Schriftsteller befolgen müssen; aber meinem Klienten wird es schwerlich zusagen. Der junge, angehende Litterat ist ein sehr, sehr sonderbares Geschöpf. Er weiß, daß, wenn er Klempner werden wollte, der Meister von ihm ein Zeugnis über sein seitheriges sittliches Betragen verlangen und ihm das Versprechen abfordern würde, wenigstens drei – vielleicht sogar vier Jahre – bei ihm in der Lehre zu bleiben. Er müßte im ersten Jahre die Werkstatt fegen, Wasser holen, Feuer anzünden und in der Pause lernen, wie man die Oefen schwärzt. Zum Lohn für alle diese Dienste erhielte er seine Kost und zwei billige Anzüge. Im zweiten Jahre käme die Unterweisung im Handwerk an die Reihe, und als Wochenlohn würde ihm ein Dollar ausgezahlt, im dritten Jahr zwei, im vierten drei Dollars. Als ausgelernter Klempner könnte er dann wöchentlich fünfzehn bis zwanzig, vielleicht auch dreißig Dollars verdienen; zu einem Wochenlohn von fünfundsiebzig Dollars würde er es aber niemals bringen. Bei jedem andern Handwerk, für das er sich entscheidet, muß er dieselbe langwierige und schlecht bezahlte Lehrlingszeit durchmachen. Advokat oder Doktor zu werden ist aber noch hundertmal schwerer, denn da erhält er nicht nur während der ganzen Lehrzeit keinen Lohn, sondern er hat noch eine große Summe für seinen Unterricht zu bezahlen und genießt das Vorrecht, sich selbst beköstigen und kleiden zu dürfen.

Das alles weiß der angehende Litterat und hat doch die Dreistigkeit sich zur Aufnahme in die Schriftstellergilde zu melden und seinen Teil von ihren hohen Ehren und Einkünften zu verlangen, ohne zur Rechtfertigung für seine Anmaßung auch nur eine zwölfmonatliche Lehrzeit nachweisen zu können. Er würde nur unschuldsvoll lächeln, wollte man ihm zumuten, ohne vorherige Anweisung selbst das einfachste kleine Blechnäpfchen anzufertigen. Aber, ohne Kenntnis der Grammatik, phrasenhaft, weitschweifig und mit den verschrobenen Begriffen von Welt und Menschen, die er sich auf irgend einem Neste im Hinterwald angeeignet hat, getraut sich der unwissende Gelbschnabel, die Feder, diese gefährliche Waffe, zur Hand zu nehmen, um damit die gewaltigen Mächte, Handel, Finanzen, Krieg und Politik aufs Geratewohl anzugreifen. Wenn es nicht so traurig wäre, würde es einfach lächerlich sein. Der arme Junge wagt sich ohne bestandene Lehrzeit nicht in die Klempnerwerkstatt hinein, aber er scheut sich nicht, mit ungeübter Hand ein Werkzeug zu ergreifen und zu führen, welches Königsthrone zu stürzen, Religionen zu ändern und das Wohl oder Wehe ganzer Völker zu entscheiden vermag.

Wenn der Verfasser jenes Briefes für die Zeitungen, die in der Nachbarschaft seines Wohnorts erscheinen, unentgeltlich schreiben will, so ist hundert gegen eins zu wetten, daß er so viele Aufträge erhält, als er unter dieser Bedingung nur irgend übernehmen kann. – Stellt sich dann heraus, daß seine Schreibereien wirklich etwas wert sind, so finden sich sicherlich eine Menge Leute, die ihm Geld dafür anbieten.

Zum Schluß will ich ihm als ernste und wohlgemeinte Ermutigung noch einmal die Thatsache zu Gemüte führen, daß annehmbare und lesenswerte Schriftsteller höchst selten sind. Sowohl Buchhändler als Herausgeber von Zeitungen suchen unablässig nach ihnen und zwar mit solchem Eifer, daß sie sich bei dem Geschäft keinen Augenblick Rast oder Ruhe gönnen.


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