I.
An einen Moral-Statistiker.
Behalten Sie Ihre statistischen Notizen ein andermal für sich! Ich habe das ganze Bündel genommen und mir die Pfeife damit angezündet. Leute von Ihrem Schlage sind mir verhaßt. Sie rechnen fortwährend aus, wie sehr ein Mensch seiner Gesundheit schadet, wie sehr er seine Denkkraft schwächt und wie viele elende Dollars und Cents er vergeudet, wenn er sich zweiundneunzig Jahre lang den verderblichen Genuß des Rauchens gestattet, der ebenso verderblichen Gewohnheit des Kaffeetrinkens fröhnt, gelegentlich eine Partie Billard spielt, bei Tische ein Glas Wein trinkt u. s. w. u. s. w. Und Sie zählen sich immer an den Fingern her, wie viele Frauen der gefährlichen Mode, weite Reifröcke zu tragen, zum Opfer gefallen und verbrannt sind u. s. w.
Immer sehen Sie nur die eine Seite der Frage. Sie sind blind gegen die Thatsache, daß die meisten alten Männer in Amerika rauchen und Kaffee trinken, obgleich sie nach Ihrer Theorie alle jung gestorben sein sollten, daß rüstige alte Engländer Wein trinken und am Leben bleiben, daß dicke alte Holländer sowohl tüchtig trinken als rauchen und doch die ganze Zeit über nur immer älter und wohlbeleibter werden. Auch kümmern Sie sich nie darum, wie viel Behagen, Erholung und Vergnügen der Mensch im Lauf seines Lebens vom Rauchen hat (was zehnmal soviel wert ist als das Geld, welches er sparen würde, wenn er es bleiben ließe), und fragen gar nicht danach, was für eine ungeheure Menge von Wohlsein dem Menschen in seiner Lebenszeit verloren geht, wenn er, – wie Ihresgleichen – nicht raucht.
Natürlich können Sie Geld sparen, wenn Sie sich fünfzig Jahre lang jene kleinen lasterhaften Genüsse versagen, aber was wird Ihnen das nützen, wozu können Sie das Geld gebrauchen? Es kann Ihre arme sündhafte Seele doch nicht ewig selig machen. Nützlich verwendet wird das Geld nur, wenn es uns in diesem Leben Genuß und Behagen verschafft; für Sie, der Sie ein abgesagter Feind von Genuß und Behagen sind, hat es daher keinerlei Zweck, Schätze aufzuhäufen. Sagen Sie nur nicht, Sie fänden es besser, das Geld für gute, gesunde Speisen auszugeben, Werke der Barmherzigkeit zu thun und sich an Traktätchen-Gesellschaften zu beteiligen. Sie wissen recht gut, daß Leute von Ihrer Sorte, die keine kleinen menschlichen Schwächen haben, nie einen Cent verschenken und sich die Nahrung so knapp zumessen, daß sie immer hohlwangig und hungrig aussehen. Sie getrauen sich ja bei Tage kaum zu lachen, aus Furcht, irgend ein armer Teufel, der Sie bei guter Laune sieht, möchte den Versuch machen, Ihnen einen Dollar abzuborgen. In der Kirche liegen Sie auf den Knieen und vergraben Ihr Gesicht in das Kissen, wenn der Klingelbeutel herankommt, und dem Steuerbeamten geben Sie nie den vollen Betrag Ihres Einkommens an. Das alles wissen Sie recht gut selber, nicht wahr? – Nun also – wozu sollten Sie Ihr erbärmliches Leben bis in ein armseliges, welkes Alter ausdehnen? Was nützt es Ihnen, Geld zusammenzuscharren, das doch völlig wertlos für Sie ist? Kurz und gut, warum legen Sie sich nicht lieber hin und sterben, anstatt fort und fort den Versuch zu machen, andere Leute mit Ihrer abscheulichen Moralstatistik zu verführen, ebenso ›tugendhaft‹ und unausstehlich zu werden wie Sie? Ich für meine Person billige die Verschwendung nicht und treibe selbst keine; aber ich hege das größte Mißtrauen gegen einen Menschen, der gar keine kleinen Schwächen hat und wünsche deshalb nichts mehr von Ihnen zu hören.
II.
An einen jungen Schriftsteller.
Jawohl, Agassiz empfiehlt den Schriftstellern Fische zu essen, weil ihr Phosphorgehalt Gehirn erzeugt. Insofern haben Sie ganz recht. Aber zu einer Entscheidung der Frage, wieviel Sie davon essen müssen, kann ich Ihnen nicht verhelfen – wenigstens nicht mit Sicherheit. Wenn der Probeaufsatz, den Sie einschicken, dem entspricht, was Sie im Durchschnitt leisten können, so sollte ich denken, daß für jetzt ein paar Walfische genügen würden. Es brauchten nicht gerade die allergrößten Walfische zu sein, sondern eine gute, gesunde Mittelsorte.